Full text : Leitfaden für das Preußische Jäger- und Förster-Examen.

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—  General  v.  Bredow  erhält  den  Befehl  zum  Angriff.

Die  Mittellinie  des  Schlachtfeldes,  einer  freien  Hochfläche  mit  Wellen
und  Senkungen,  bildet  ungefähr  die  ziemlich  gerade  große  Verduner  Straße.
Von  Metz  aus  gerechnet  liegt  hinter  Gravelotte  Rezonville,  wo  das  französische
S.  Lager  stand,  davon  eine  halbe  Stunde  westlich  das  Dorf  Vionville  und  dreiviertel
Stunde  von  ihm  Mars  la  Tour,  zwischen  beiden  etwas  südlich  Tronville.  Nördlich
läuft  parallel  der  Chaussee  als  erhöhter  Wall  die  alte  Römerstraße,  an  deren  Ende  ein  Gehölz  steht,  die  Tronviller
  Büsche.  Südlich  von  Rezonville  liegt  im  tiefen  Waldthal  Gorze,  so  daß  ungefähr  ein  gleichseitiges  Dreieck
mit  der  Spitze  Rezonville  entsteht,  dessen  einen  Schenkel  nördlich  die  Straße  Rezonville,  Vionville,  Tronville
bildet,  den  andern  östlich  der  Weg  von  Gorze  nach  Rezonville,  welcher  durch  den  Wald  von  St.-Arnould  geht.
Die  Querlinie  ist  ein  Einschnitt  mit  steilen  Rändern,  Über  die  man  auf  die  Hochfläche  steigt,  auf  der  nicht  weit
von  Vionville  das  kleine  Flavigny  steht.

Nördlich  und  südlich  von  Rezonville  lagerten  die  französischen  Korps  III  (Leboeuf),  VI  (Canrobert),  II
(Frossard),  dahinter  die  Garde  (Bourbaki),  im  Anmarsche  war  IV  (Ladmirault).

Die  Ehre  des  Vortrittes  hatte  diesmal  gegen  9  Uhr  die  Kavallerie,  welche  vier  Batterien  des  Majors  Körber
vom  10.  Korps,  der  an  der  ganzen  Schlacht  den  rühmlichsten  Anteil  nahm,  begleiteten.  Sie  überraschte  französische
Reiter  bei  Tronville  und  jagte  sie  in  überstürzte  Flucht.  Bald  darauf  rückte  General  v.  Stülpnagel  mit  der
5.  Division  (8.,  48.,  52.,  12.  Reg.,  8.  Jäger)  durch  das  unbesetzte  Waldthal  von  Gorze  auf  die  Hochfläche  südlich
von  Flavigny  und  den  Wald  von  St.  Arnould  vor  und  bekam  sofort  mit  einem  heftigen  und  überlegenen  Widerstande
  zu  thun.  Ungeheuer  waren  die  Verluste:  das  1.  Bataillon  52er  büßte  sämtliche  Offiziere  ein,  auch  der
Führer  der  9.  Brigade,  General  v.  Döring,  siel.  Der  Kommandeur  des  3.  Korps,  Konstantin  v.  Alvensleben,
beschloß  „mit  teutonischer  Furie",  wie  ihm  ein  französischer  Schriftsteller  nachrühmt,  unter  allen  Umständen  die
Schlacht  aufzunehmen.  Die  6.  Divifion  (v.  Buddenbrock,  20.,  35.,  24.,  64.  Reg.),  die  weiter  marschiert  war,
schwenkte  daher  bei  Tronville  rechts  gegen  Vionville  ein;  dieses  Dorf,  wie  später  Flavigny,  wurde  gegen  11½/  Uhr
im  wilden  Gefechte  genommen.  Dennoch  war  die  Lage  hochgefährlich.  Das  Korps  stand  in  einer  nahezu  eine
Meile  langen  Linie  gegen  die  unendliche  übermacht.  Wäre  Bazaine  jetzt,  wie  er  ohne  weiteres  konnte,  energisch
vorgegangen,  hätte  er  den  schwachen  Gegner  mit  Leichtigkeit  vollständig  zerschmettert.  Aber  da  sein  Augenmerk
nur  darauf  ging,  nicht  von  Metz  abgedrängt  zu  werden,  setzte  er  die  Hauptkraft  in  seinen  linken  Flügel  nach
Gorze  zu,  vielleicht  auch  in  der  Hoffnung,  dort  durchbrechend  den  Preußen  die  Mosellinie  wieder  zu  nehmen  und
dadurch  ihre  Heerkörper  zu  trennen.  Obgleich  er  stets  auf  dem  Kampfplatze  war,  hatte  seine  Führung  etwas
Unruhiges;  er  verwendete  seine  Kräfte  nur  zu  einzelnen  Stößen  und  zerstreute  seine  Geschütze,  ohne  eine  volle
Machtwirkung  zu  erstreben.  Um  sein  II.  Korps  zu  entlasten,  warf  er  auf  die  52er  ein  Kürassierregiment.
Von  den  ruhig  Abwartenden  mit  sicherem  Schnellfeuer  blutig  zurückgewiesen,  wird  es  von  den  westfälischen  und
Braunschweiger  Husaren  und  den  Gardedragonern  verfolgt,  die  kühn  bis  an  den  franzöfischen  Feldherrn  heran-