3. Kapitel. Die Post u. d. elektr. Nachrichtenverkehr als Gegenstand d. Staatsverw. 597
mag sie im Privat- oder Staatsbetriebe stehen, ihren Besitzstand verteidigen
gegen andere Anstalten, so würden ihre Leistungen dadurch
nicht besser, sondern schlechter und auch teurer werden. Dieser Zustand
wäre auch bier durchaus unwirtschaftlich, weil er eine Wiederholung
vieler Ausgaben bedeutet, die bei Ausschluß des Wettbewerbes nur einmal
zu machen sein würden. Die im Verkehrswesen auch sonst zutage
tretende unwirtschaftliche Wirkung des Wettbewerbes liegt gerade beim
Postbetriebe ganz offen vor aller Augen und braucht hier nicht näher
nachgewiesen zu werden.
Wenn also auch der Postbetrieb der privaten Unternehmung überlassen
sein soll, so muß es doch eine einheitliche und ausschließlich
berechtigte Unternehmung sein.
Ist dem aber so, dann ist es ohne Zweifel besser, das Alleinrecht
dem Staate zu geben, falls der Staat überhaupt gesund ist. Von ihm
kann man sich am ehesten einer Berücksichtigung der Gesamtbedürfnisse,
einer Versorgung auch der verkehrsarmen Teile des Staatsgebiets, einer
unbedingten Zulassung aller Staatsbürger zur Benutzung der Anstalt
und dgl. mehr versehen. Der Gegensatz zwischen dem privaten Erwerbsdrang
und dem öffentlichen volkswirtschaftlichen Bedürfnisse, der
bei alleinberechtigten Privatunternehmungen immer zutage treten wird,
ist bei einem Staate, der sich seiner Aufgaben voll bewußt ist, nicht
vorhanden.
In neuerer Zeit hat sıch dazu noch ein anderer Punkt als besonders
wichtig und für das Verkehrswesen wertvoll ergeben. Je mehr der
Völkerverkehr anwächst, desto mehr erweisen sich selbst die Grenzen
großer Staatsgebilde als störend und hemmend. Gerade das 19. Jahrhundert
hat allenthalben im Verkehrswesen nach Überbrückung der
politischen Grenzen gestrebt, und das 20. Jahrhundert setzt diese Bemühungen
in verstärktem Maße fort. Bei der Post ist das in besonders
bezeichnender Weise hervorgetreten. Diesem Bedürfnisse nach internationaler
Vereinheitlichung in wichtigen Beziehungen kann nur durch
internationale Verträge entsprochen werden. Privatgesellschaften würden
in dieser Beziehung bald an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt
sein. Einen Weltpostverein, wie er heute so segensreich wirkt,
würden wir schwerlich haben, wenn allenthalben nur alleinberechtigte
Privatposten beständen. Denn ohne Opfer, auch in sachlicher Hinsicht,
ohne Verzicht auf das engherzige Betonen des Erwerbsstrebens, läßt
sich ein solches Werk nicht schaffen.
Was man sonst für den monopolisierten Staatsbetrieb der Post anführt,
ist nicht von wesentlicher Bedeutung. Wenn man insbesondere
von vornherein als gegeben annimmt, daß bei der alleinberechtigten
Staatspost das Briefgeheimnis am besten gegen Verletzung geschützt sei,
so fehlt es in der Geschichte der Post keineswegs an Beispielen des