Inhaltsverzeichnis : Königlich Württembergisches Staats- und Regierungs-Blatt vom Jahr 1821. (16)

3.  Kapitel.  Die  Post  u.  d.  elektr.  Nachrichtenverkehr  als  Gegenstand  d.  Staatsverw.  597

mag  sie  im  Privat-  oder  Staatsbetriebe  stehen,  ihren  Besitzstand  verteidigen
  gegen  andere  Anstalten,  so  würden  ihre  Leistungen  dadurch
nicht  besser,  sondern  schlechter  und  auch  teurer  werden.  Dieser  Zustand
wäre  auch  bier  durchaus  unwirtschaftlich,  weil  er  eine  Wiederholung
vieler  Ausgaben  bedeutet,  die  bei  Ausschluß  des  Wettbewerbes  nur  einmal
  zu  machen  sein  würden.  Die  im  Verkehrswesen  auch  sonst  zutage
tretende  unwirtschaftliche  Wirkung  des  Wettbewerbes  liegt  gerade  beim
Postbetriebe  ganz  offen  vor  aller  Augen  und  braucht  hier  nicht  näher
nachgewiesen  zu  werden.

Wenn  also  auch  der  Postbetrieb  der  privaten  Unternehmung  überlassen
  sein  soll,  so  muß  es  doch  eine  einheitliche  und  ausschließlich
berechtigte  Unternehmung  sein.

Ist  dem  aber  so,  dann  ist  es  ohne  Zweifel  besser,  das  Alleinrecht
dem  Staate  zu  geben,  falls  der  Staat  überhaupt  gesund  ist.  Von  ihm
kann  man  sich  am  ehesten  einer  Berücksichtigung  der  Gesamtbedürfnisse,
einer  Versorgung  auch  der  verkehrsarmen  Teile  des  Staatsgebiets,  einer
unbedingten  Zulassung  aller  Staatsbürger  zur  Benutzung  der  Anstalt
und  dgl.  mehr  versehen.  Der  Gegensatz  zwischen  dem  privaten  Erwerbsdrang
  und  dem  öffentlichen  volkswirtschaftlichen  Bedürfnisse,  der
bei  alleinberechtigten  Privatunternehmungen  immer  zutage  treten  wird,
ist  bei  einem  Staate,  der  sich  seiner  Aufgaben  voll  bewußt  ist,  nicht
vorhanden.

In  neuerer  Zeit  hat  sıch  dazu  noch  ein  anderer  Punkt  als  besonders
wichtig  und  für  das  Verkehrswesen  wertvoll  ergeben.  Je  mehr  der
Völkerverkehr  anwächst,  desto  mehr  erweisen  sich  selbst  die  Grenzen
großer  Staatsgebilde  als  störend  und  hemmend.  Gerade  das  19.  Jahrhundert
  hat  allenthalben  im  Verkehrswesen  nach  Überbrückung  der
politischen  Grenzen  gestrebt,  und  das  20.  Jahrhundert  setzt  diese  Bemühungen
  in  verstärktem  Maße  fort.  Bei  der  Post  ist  das  in  besonders
bezeichnender  Weise  hervorgetreten.  Diesem  Bedürfnisse  nach  internationaler
  Vereinheitlichung  in  wichtigen  Beziehungen  kann  nur  durch
internationale  Verträge  entsprochen  werden.  Privatgesellschaften  würden
in  dieser  Beziehung  bald  an  der  Grenze  ihrer  Leistungsfähigkeit  angelangt
  sein.  Einen  Weltpostverein,  wie  er  heute  so  segensreich  wirkt,
würden  wir  schwerlich  haben,  wenn  allenthalben  nur  alleinberechtigte
Privatposten  beständen.  Denn  ohne  Opfer,  auch  in  sachlicher  Hinsicht,
ohne  Verzicht  auf  das  engherzige  Betonen  des  Erwerbsstrebens,  läßt
sich  ein  solches  Werk  nicht  schaffen.

Was  man  sonst  für  den  monopolisierten  Staatsbetrieb  der  Post  anführt,
  ist  nicht  von  wesentlicher  Bedeutung.  Wenn  man  insbesondere
von  vornherein  als  gegeben  annimmt,  daß  bei  der  alleinberechtigten
Staatspost  das  Briefgeheimnis  am  besten  gegen  Verletzung  geschützt  sei,
so  fehlt  es  in  der  Geschichte  der  Post  keineswegs  an  Beispielen  des