Volltext : Landeskunde des Großherzogtums Hessen, der Provinz Hessen-Nassau und des Fürstentums Waldeck. (376)

132  Das  Hessische  Bergland.

als  eine  Hochfläche  mit  von  hartem  Schaumkalk  gebildeten,
75—100  m  hoch  jäh  abstürzenden  mauerartigen  Rändern  und
bastionsartigen  Vorsprüngen,  unter  denen  der  501  m  hohe
Heldrastein  und  die  506  m  hohe  Graburg  als  Aussichtswarten
berühmt  sind.  Wie  alle  Kalkgebiete  ist  dieser  Teil  des  Meißnerlandes
  sehr  arm  an  Bächen.  Den  südlichen  Teil  des  Fulda-Werra-Vierecks
  nimmt  das  Richelsdorf-Sontraer  Zechsteingebirge
  ein.  Es  ist  ein  von  tief  eingeschnittenen  Tälern  durchfurchtes,
  unregelmäßiges  Hügelland  mit  sog.  „Karst“-Erscheinungen,
  welche  der  Auslaugung  des  vorher  zu  Gips  umgewandelten
  Anhydrits  ihre  Entstehung  verdanken.  Daher
finden  sich,  manchmal  reihenweise,  Einsturzlöcher,  teilweise  mit
Wasser  gefüllt  und  im  Volksmund  „Kauten“  genannt.  Zu
ihnen  gehört  der  durch  Sagen  berühmte  Landsee  von  Dens,
156  x  62  m  groß  und  10  Mr  tief,  durch  den  Einsturz  des  unterwaschenen
  Plattendolomits  entstanden,  der  manchmal  von
sich  reden  machte,  weil  sein  Wasser  eine  blutrote  Farbe  annahm.

An  das  Richelsdorfer  Bergland  schließt  sich  nach  Süden
der  Seulingswald  an.  Beide  sind  an  der  Stelle,  wo  sich  Fulda
und  Werra  am  meisten  nähern,  durch  den  tiefen  Einschnitt
des  Hönebacher  Passes,  der  von  der  Bebra-Eisenacher  Bahn
in  1  km  langem  Tunnel  durchschnitten  wird,  geschieden.  Entsprechend
  seinem  Gesteinsaufbau  zeigt  der  Seulingswald  sehr
einförmige  Oberflächengestalt;  abgesehen  von  den  Basaltkuppen,
  ist  es  eine  flache  Buntsandsteinplatte,  auf  der  weite
Felder  und  ausgedehnte  Wälder  abwechseln.

Westlich  von  der  Fulda,  zwischen  ihr  und  der  Hessischen
Senke  erhebt  sich  das  Knüllgebirge.  Der  Hauptsache  nach  ist
es  ebenfalls  aus  Buntsandstein  und  Basalt  aufgebaut;  im
Westen  aber  reichen  die  tertiären  Schichten  der  Hessischen
Senke  herauf  und  enthalten  abbauwürdige  Tone  und  Braunkohlen.
  Die  Flöze  der  Kohlen  sind  bei  Homberg  und  Frielendorf
  bis  16—20  m  mächtig  und  liefern  in  den  Frielendorfer