Volltext : Der Kanzler.

begeben  solle,  bot  ich  ihm,  da  ich  lder]  Gegend  unkundig,
mein  Quartier  in  Donchery  an,  einem  kleinen  Ort  an  der
Maaß  dicht  bei  Sedan;  er  nahm  es  an  und  fuhr  von  seinen
6  Franzosen,  von  mir,  und  von  Carl  [von  Bismarck-Bohlenl,
der  mir  inzwischen  nachgeritten  war,  geleitet,  durch  den  einsamen
  Morgen  nach  unfrer  Seite  zu.  Dor  dem  Ort  wurde
es  ihm  leid,  wegen  der  möglichen  Menschenmenge,  und  er
fragte  mich,  ob  er  in  einem  einsamen  Erbeiterhause  am
Wege  absteigen  könne;  ich  ließ  es  besehn  durch  Carl,  der  meldete,
  es  sei  ärmlich  und  unrein;  wimporte  meinte  U.,  und
ich  stieg  mit  ihm  eine  gebrechliche  enge  Stiege  hinauf.  In
einer  Kammer  von  10  Fuß  GEevierte,  mit  einem  sichtnen
Tische  und  2  Binsenstühlen,  saßen  wir  eine  Stunde,  die  An—
dern  waren  unten.  Ein  gewaltiger  Contrast  mit  unserm
letzten  Beisammensein,  67  in  den  Uuilerien.  Unsre  Unterhaltung
  war  schwierig,  wenn  ich  nicht  Dinge  berühren  wollte,
die  den  von  Gottes  gewaltiger  hand  NMiedergeworfnen  schmerzlich
  berühren  mußten.  Ich  hatte  durch  Carl  COffiziere  aus
der  Stadt  holen  und  Moltcke  bitten  lassen  zu  kommen.  Wir
schickten  dann  einen  der  erstern  auf  Recognoscirung  und  entdeckten
  ½  Meile  davon  in  Fresnois  ein  kleines  Schloß  mit
Dark.  Dorthin  geleitete  ich  ihn  mit  einer  inzwischen  herangeholten
  Escorte  vom  Leib-Kür.  Regt.,  und  dort  schlossen
wir  mit  dem  französ.  Obergeneral  Wimpfen  die  Capitulation,
vermöge  deren  40=  bis  60000  Franzosen,  genauer  weiß  ich
es  noch  nicht,  mit  allem  was  sie  haben  unfre  Gefangnen
wurden  les  waren  83000  Mannl.  Der  vor=  und  gestrige
Tag  kosten  Frankreich  100000  Mann  und  einen  Kaiser.  heut
früh  ging  letztrer  mit  allen  seinen  Hofleuten,  Pferden  und
Wagen  nach  Wilhelmshöh  bei  Uassel  ab.  Es  ist  ein  weltgeschichtliches
  Ereigniß,  ein  Sieg,  für  den  wir  Gott  dem
herrn  in  Demuth  danken  wollen,  und  der  den  Trieg  entscheidet,
  wenn  wir  auch  letztern  gegen  das  kaiserliche  Frankreich
  noch  fortführen  müssen.

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