Metadata : preußisches Staatsrecht. Zweiter Teil (2)

126  Luxemburg.  1867

Grafen  Tauffkirchen  nach  Berlin  zu  senden,  um  mit  Bismarck
die  Frage  einer  österreichischen  Allianz  zu  verhandeln.  An
demselben  Tage,  an  welchem  Tauffkirchen  sich  bei  Bismarck
meldete,  dem  12.  April,  erschien  auch  der  Vertreter  Osterreichs
  bei  dem  Minister,  um  ihm  dessen  gute  Dienste  in  der
Luxemburger  Sache  anzubieten  und  seine  vorläufige  Meinung
über  zwei  Vorschläge  einzuholen,  welche  das  Wiener  Cabinet
den  Mächten  als  Vermittlung  zu  unterbreiten  gedenke:  entweder
  bleibt  Luxemburg  unabhängig  unter  ewiger  von  Europa
garantirter  Neutralität,  oder  es  fällt  an  Belgien,  welches
dafür  Philippeville  und  Marienburg  an  Frankreich  abtritt;
in  jedem  der  beiden  Fälle  räumt  Preußen  die  Festung.
Bismarck  antwortete,  daß  er  Osterreichs  gute  Dienste  dankbar
annehme,  und  in  dem  zweiten  Vorschlag  eine  sehr  glückliche
Auskunft  finde,  übrigens  die  eigne  Entschließung  mit  Rücksicht
  auf  die  öffentliche  Meinung  in  Deutschland  sich  noch
vorbehalten  müsse.  Immer  konnte  dieser  neue  Schritt  Osterreichs
  als  ein  Zeichen  freundlicher  Gesinnung  gedeutet  werden,
und  Bismarck  gab  also  ohne  Zaudern  dem  Grafen  Tauffkirchen
Vollmacht,  in  Preußens  und  Bayerns  Namen  Herrn  von
Beust  zur  Sicherung  des  europäischen  Friedens  ein  Vertheidigungsbündniß
  anzubieten,  worin  die  deutschen  Regierungen
dem  Donaureiche  die  Garantic  seiner  deutschen  Besitzungen
auf  immer,  und  seiner  ungarischen  auf  eine  näher  zu  verabredende
  Zeit  zusagten.

Es  war,  was  in  frühern  Zeit  Osterreich  stets  begehrt
und  zweimal  erhalten,  es  war  zugleich,  was  Bismarck  schon
auf  dem  Schlachtfelde  bei  Königgrätz  dem  König  als  erstrebenswerth
  bezeichnet  hatte.  Aber  Beust's  Gedanken  lagen
jetzt  in  anderer  Richtung.  Es  war  deutlich,  daß  für  Oster-