Full text : Preußische Geschichte. Dritter Band. (3)

II.  Das  Ende  des  Fürstenbundes.  279

Ministers  aus  als  nach  dem  des  Königs.  Auch  er,  hieß  es
darin,  wünsche  vor  allem  den  Frieden  und  sei  nur  durch  die
Abweisung  seiner  Vermittelung  und  die  übermäßigen  Ansprüche
Rußlands  an  die  Türkei  genötigt,  mit  Polen  und  anderen  anzuknüpfen,
  da  er  eine  Teilung  der  Türkei  um  der  eigenen
Sicherheit  willen  nicht  zulassen  könne.  Der  Friede  könne  er—
reicht  werden  durch  Herstellung  des  Zustandes  von  vor  dem
Kriege  oder  besondere  Maßnahmen  zur  Sicherung  des  euro—
päischen  Gleichgewichts.  Stellte  sich  demnach  der  König  fried—
fertiger  als  er  war,  so  gab  sich  Hertzberg  einen  kriegerischeren
Anschein,  als  seinen  wirklichen  Absichten  entsprach.  Er  empfahl
durch  Subsidienverträge  von  Hessen-Darmstadt  und  Hessen-Kassel
Truppen  zur  Verwendung  in  Belgien  zu  gewinnen,  auch  preu—
ßische  dort  zu  verwenden,  um  nötigenfalls  auch  England  und
die  Vereinigten  Niederlande  zur  Fügsamkeit  nötigen  zu  können.
Die  Rüstungen  sollten  also  nur  einen  Druck  zu  gunsten  des
von  ihm  festgehaltenen  Tauschprojekts  ausüben,  während  der
König  auf  die  Verhandlungen  nur  einging,  um  nicht  als  Friedens—
brecher  zu  erscheinen.  Näher  aber  kam  man  sich  nicht.  Preußen
erklärte,  nicht  ohne  Polen  und  die  Türkei  unterhandeln  zu
können,  Leopold  nicht  ohne  Rußland.  Immer  verwickelter  wurde
das  diplomatische  Intriguenspiel,  durch  das  Hertzberg  ohne
Krieg  zum  Ziele  kommen  wollte,  immer  ungeduldiger  wollte
der  König  endlich  handeln:  spätestens  Ende  Mai  müsse  er  eine
Entscheidung  haben.

Es  war  doch  eine  ungewöhnliche  Naivetät  und  von  einem
so  erfahrenen  Diplomaten  fast  unbegreiflich,  daß  Hertzberg  die
Zauberformel,  durch  die  er  den  Frieden  herzustellen  und  Preußen
ohne  Schwertstreich  zu  vergrößern  dachte,  Oesterreich,  das  die
Kosten  tragen  sollte,  zu  derselben  Zeit  vertraulich  mitteilte,  wo
er  ohne  Preußens  Verbündete  sich  auf  nichts  einlassen  zu  können
erklärte,  naiv  auch  die  Art,  wie  er  von  der  „Seelengröße"
Leopolds  ihre  Geheimhaltung  der  Türkei  gegenüber  erwartete,
die  im  Stich  gelassen  werden  sollte.  Nach  dem  Vorschlag,  den
er  am  5.  Mai  nach  Wien  richtete,  sollte  Oesterreich  den  größeren
Teil  Galiziens  an  Polen  zurückgeben  und  dafür  auf  Kosten  der
Türkei,  die  an  Rußland  die  Krim  zu  überlassen  hatte,  ent-