Full text : Der Deutsche Reichstag.

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dung  und  seinem  nationalen  Charakter  in  der  Völkerfamilie  Europas
von  Rechts  wegen  zukommt.

Es  ist  wahr,  daß  noch  vor  wenigen  Monaten  unser  Vaterland  in
die  größte  Gefahr  gekommen  war,  durch  fremde  Heere  überschwemmt
zu  werden,  an  deren  Spitze  afrikanische  Horden  einhermaschierten,  im
Namen  der  Civilisation.  Heute,  meine  Herren,  hat  dieses  französische
Heer  wirklich  alle  deutschen  Gaue  überschwemmt.  als  Kriegsgefangene
mit  ihrem  Kaiser.  Heute  stehen  unsere  Armeen  in  einem  großen  Teile
des  feindlichen  Landes  und  eine  siegreiche  Armee  hat  mit  unwiderstehlichen
  eisernen  Armen  die  Hauptstadt  umspannt.  Nun,  meine  Herren,
es  ist  nicht  des  Deutschen  Eigenschaft,  im  Glück  sich  zu  überheben.  Er
weiß  auch  jetzt  nur  im  Glück  zu  lernen,  wie  er  vor  60  Jahren  aus  dem
Unglück  gelernt  hat.  Und  diese  Lehre  werden  wir  alle  und  das  ganze
deutsche  Volk  gewiß  in  aller  Zeit  festhalten;  es  ist  die  Lehre:  daß  das
deutsche  Volk  verhöhnt,  verkleinert,  zertreten  war,  so  lange  es  in  inneren
Streitigkeiten  seine  Kräfte  zersplitterte,  daß  es  dagegen  hoch,  mächtig  und
geachtet  dasteht,  wenn  es  einig  ist.

Es  war  ein  Angstruf,  welchen  vor  1800  Jahren  der  stolze  Tacitus
aus  seinem  gepreßten  Herzen  ausgestoßen  hat,  daß  die  Uneinigkeit  unter
den  Deutschen  bewahrt  werden  möchte,  damit  sein  Volk  bestehen  könne.
Dieser  Wunsch  ist  lange  genug  in  Erfüllung  gegangen.  Heute  aber  ist
es  anders.  Die  Deutschen  haben  den  Kampf  ausgenommen  und  wenn
auch  noch  so  viele  und  schwere  Wunden  aus  diesem  Kampfe  heimgetragen
wurden,  so  sagen  wir  es  uns  doch  laut,  daß  die  große,  die  schmerzliche
Wunde  Deutschlands  ausgeheilt  ist  in  diesem  Kampfe,  die  Wunde,  die  das
Jahr  1866  zurückgelassen  hat.  Ich  vertraue  darauf,  daß  alle  Erinnerungen
an  jene  Vergangenheit  ausgeglichen  sind  in  dem  nationalen  Siegesbewußtsein
  Alldeutschlands.  Wir  alle  vertrauen  und  die  Eröffnungsrede  hat
uns  die  Zusicherung  gegeben,  daß  Deutschland  aus  diesem  siegreichen
Kampfe  auch  die  Bedingungen  seiner  ferneren  Sicherheit  erhalten  wird.

Es  sind  die  vormals  deutschen  Länder  in  einer  Zeit  der  Zwietracht
und  Zerrissenheit  dem  deutschen  Reiche  entfremdet  worden,  sie  haben  als
Ausfallsthor  gedient,  sobald  unsere  Feinde  ausgezogen,  natürlich  um  die
deutsche  Freiheit  zu  schützen.  Dieses  Ausfallsthor  wird,  das  vertrauen
wir  alle,  in  deutscher  Hand  ein  für  allemal  bleiben.  Es  wird  und
muß  der  Blick  des  Nachbars  von  unseren  schönen  Rheinlanden  abgewendet
  werden,  von  jener  Wiege  des  deutschen  Reiches.  Diese  Notwendigkeit
  hat  schon  der  große  Friedrich  erkannt,  als  er  sagte,  daß  mit  der
Losreißung  von  Elsaß  und  Lothringen  Frankreich  seine  Herrschaft  an