Full text : Erinnerungen an die Kriegsjahre im Königlich Preußischen Kriegsministerium. Dritter Band. Wehr und Waffen 1914-1918. (3)

Nahkampfmittel  70

schossen,  daß  sich  erhebliche  Mißstände  an  der  Front  ergaben.  Hier
mußte  gewaltsam  eingegriffen  werden.  Der  alte  Grundsatz  „weniger,
aber  gut“  mußte  wieder  Geltung  bekommen.  Durch  eine  scharfe  Sichtung
  wurde  alles  nicht  unbedingt  Zuverlässige  ausgesiebt.  Der  Erfolg
blieb  nicht  aus,  die  Bedienung  wurde  einfacher,  die  Zahl  der  Rohr-=zerscheller
  nahm  stetig  ab.

Die  Rohstofflage  zwang  vielfach  zur  Anwendung  von,.  Ersatzstoffen,
  wodurch  naturgemäß  keine  Verbesserung  eintrat.  Die  Schwierigkeiten
  wurden  aber  überwunden.  Auf  dem  Gebiete  der  M.W.  war
Deutschland  im  Herbst  1918  so  vorzüglich  gerüstet  wie  niemals  zuvor.
Aus  160  Gelegenheitswerkzeugen  einiger  Pionierkompagnien  waar  eine
Sondertruppe  mit  17000  feuerbereiten  Nohren  und  200000  Mann
Bedienunng  entstanden.  Demgegenüber  trat  beim  Feind  seit  1017  der
M.W.  stark  in  den  Hintergrund.  Er  schien  gefühlt  zu  haben,  daß  er  den
Deutschen  auf  diesem  Gebiete  nicht  überlegen  werden  konnte.

Weiteren  hoffnungsvollen  Versuchen  zur  Vervollkommnung  der
M.  W.  setzte  der  Waffenstillstand  ein  Ende.

Hinsichtlich  der  Aahkampfmittel  kam  es  in  der  zweiten  Hälfte  des
Krieges  mehr  auf  Steigerung  der  Massenfabrikation  an.  Sie  stieg
von  monatlich  6  Millionen  Handgranaten  im  Herbst  1916  auf  8  Millionen
  im  Sommer  1917,  wurde  dann  auf  6  Millionen  im  Frühjahr
los  und  im  Herbst  1918  auf  2  Millionen  herabgesetzt,  nachdem  genügende
  Reserven  vorhanden  waren.  An  Nahkampfmustern  trat  neben
einer  Verbesserung  und  Vermehrung  der  Handnebelbomben  eine  neue
Gewehrgranate  1917  auf,  deren  Herstellung  aber  viele  Schwierigkeiten
  verursachte.

Bei  den  Flammenwerfern  gelang  es,  eine  größere  Beweglichkeit  und
Leistung  zu  erreichen.

Keine  besonderen  Schwierigkeiten  bereitete  die  Versorgung  des
Heeres  mit  Pionier-Spreng=  und  Jündmitteln.  Mit  Hilfe  von  unsicheren
  und  wieder  aufbereiteten  Sprengstoffen  wurde  der  monatliche
Bedarf  von  6000  t  gedeckt.

Das  Auftreten  der  Tanks  bei  unseren  Feinden  veranlaßte  die
Herstellung  selbsttätiger  Minen.

Ich  mußte  auf  dieses  Gebiet  näher  eingehen,  um  ein  klares  Bild
der  geschichtlichen  Entwickelung  zu  geben,  um  irrigen  Ansichten,  die
vielleicht  im  Felde  entstanden  sind,  entgegenzutreten.  Es  ist  unendlich