Metadata : Bismarck. Sein Leben und sein Werk.

Im  Plamannschen  Institut  9

Magen  gründlich  zu  verderben.  Was  stahlen  doch  alle  diese
Domestiken.“

Das  Plamannsche  Institut  war  eine  Erziehungsanstalt  mit
Jahnschen  Traditionen  und  Pestalozzischen  Grundsätzen:  Strenge
Zucht,  Abhärtung,  stark  nationaler,  deutschtümelnder  Einschlag,
allseitige  Ausbildung  der  Persönlichkeit,  Selbsttätigkeit  des
Könnens.  Bismarck  hat  später  den  Gegensatz  zur  Aristokratie
beklagt;  das  „von“  vor  seinem  Namen  sei  ein  Nachteil  für  sein
kindliches  Behagen  im  Verkehr  mit  Mitschülern  und  Lehrern
gewesen.  Andere  Zöglinge  des  Plamannschen  Instituts  haben
einen  freundlicheren  Eindruck  von  dem  Geiste  der  Anstalt  behalten.
  Jedenfalls  nahm  Bismarck  aus  ihr  den  dort  herrschenden
  Franzosenhaß  und  deutschnationale  Eindrücke  in  sich  auf.
Doch  waren  diese  nicht  stark  genug,  um  angeborene  preußischmonarchische
  Empfindungen  zu  unterdrücken.  Seine  geschichtlichen
  Sympathien  blieben  auf  Seiten  der  Autorität.  Harmodius
  und  Aristogeiton,  die  Brüder,  die  den  athenischen  Tyrannen
Hipparchos  ermordeten,  und  Brutus,  der  den  Cäsar  tötete,
waren  für  sein  kindliches  Rechtsgefühl  Verbrecher,  und  Tell  ein
Rebell  und  Mörder.  Jeder  deutsche  Fürst,  der  vor  dem  dreißigjährigen
  Kriege  dem  Kaiser  widerstrebte,  ärgerte  ihn.  Aber
vom  Großen  Kurfürsten  an,  mit  dem  Brandenburgs  weltgeschichtliche
  Stellung  und  brandenburgisch-alt-preußischer
Patriotismus  begann,  war  er  parteiisch  genug,  auch  antikaiserlich
  zu  empfinden,  und  es  natürlich  zu  finden,  daß  der  siebenjährige
  Krieg  sich  vorbereitete,  mit  dem  Preußens  Großmachtstellung
  anhub.

In  seiner  Führung  und  in  seinen  Leistungen  war  er  wohl
so,  wie  er  selber  sich  später  gezeichnet  hat:  „Ich  war  ein  Junge
wie  alle  Jungen.“  Von  seinen  Lehrern  wurde  er  als  ein  Knabe
von  gemütlicher  Freundlichkeit  und  kindlichem  Frohsinn  bezeichnet,
  „den  alle  gern  haben,  sowie  er  auch  seinerseits  sich
freundlich  anschließt“.  Seine  Leistungen  waren  Knabenleistungen,
in  die  bedenkliche  Kategorie  eines  Musterknaben  sehen  wir  ihn
nirgendwo  eingereiht.  Er  neigte  auch  wohl  zur  Ubereilung  im
Arbeiten  und  Denken,  selbst  im  Turnen;  er  war  auch  „allzu