Metadata : Preußische Geschichte. Erster Band. (1)

11.  Die  Erwerbung  Cleves  und  Vreußens.  30)0

privilegien  und  empfingen  ein  vorläufiges  Treugelöbnio.  Nur
der  Befehlshaber  des  Schlosses  zu  JZülich  verweigerte  ohne  Befehl
  des  Kaisers  die  Uebergabe.

Gegen  seine  Instruktion  hatte  Markgraf  Ernst  den  Vertrag
  geschlossen.  Aber  man  hatte  Grund,  seine  Eigenmacht  zu
segnen.  Denn  je  mehr  der  Kaiser  durch  den  Aufstand  in  Böhmen
und  Schlesien  bedrängt  war,  um  so  mehr  wollte  die  Aktionsvartei
  das  dort  Verlorene  anderwärts  wiedergewinnen.  Namentlich
  erstrebte  Erzherzog  Leopold,  Bischof  von  Passau  und  Straßburg,
  die  schönen  niederrheinischen  Lande.  Mitte  Juli  erschien
er  als  kaiserlicher  Prinzipalkommissar  und  setzte  sich  in  Jülich
fest.  Kaiserliche  Mandate  kassierten  den  Dortmunder  Vertrag,
verboten  die  Rüstungen  und  wiesen  die  Stände  zum  Gehorsam
gegen  den  kaiserlichen  Bevollmächtigten  an.  Aber  über  die
Manern  von  Jülich  hinaus  reichte  dessen  Autorität  nicht.  Doch
blieb  seine  Anwesenheit  im  Lande  gefährlich.  Bald  sprach  man
von  seinen  Beziehungen  zu  dem  Pfalz-Neuburger,  der  im  Lande
Anhang  warb,  auch  über  reiche  Geldmittel  verfügte,  während
es  dem  Markgrafen  am  Nötigsten  fehlte.

Nur  lag  die  Entscheidung  nicht  im  Lande  selbst,  und  nicht
seine  Interessen  waren  dafür  maßgebend.  Es  hieß,  Wolfgang
Wilhelm  wolle  katholisch  werden:  dann  hatte  er  die  eben
(10.  Zuli  1609)  errichtete  Ligne  für  sich.  In  Prag  freute  man
sich  der  Verschärfung  der  Gegensätze:  fürchtete  man  doch,  Brandenburg
  werde  das  Verhängnio  des  Hauses  Habsburg  und  des
Katholiziomus  in  Deutschland  werden.  Das  wurde  die  treibende
Kraft  der  deutschen  Politik  Oesterreichs.  Man  war  entschlossen
an  die  Gewalt  zu  appellieren,  die  Bedrohten  rüsteten  zur  Gegenwehr.
  Im  Aufstrage  Brandenburgs  und  Pfalz-Neuburge  ging
Christian  von  Anhalt  nach  Frankreich  und  den  Niederlanden.
Beide  verhießen  Hilfe  gegen  fremde  Gewalt.  Dann  bestellten
die  beiden  Statthalter  ihn  zum  Führer  ihrer  Truppen.  Dagegen
  wuchs  die  Sorge  vor  Kursachsen,  das  Johann  Sigismund,
  während  er  am  Niederrhein  focht,  in  Rücken  und  Flanke
bedrohte.  Die  polternden  Reden  Christians  II.  bei  einem
Besuche  der  Kurfürstin  Anna  in  Dresden  offenbarten  ein  Einverständnis
  zwischen  dem  dortigen  und  dem  Prager  Hofe.  Dieser