26 —
In den Mittheilungen aus dem Königreich Preußen werden 11 solche Todesfälle
von Impflingen aufgeführt, bei denen ein ursächlicher Zusammenhang mit der
Impfung ohne jeden erweislichen Grund behauptet oder vermuthet worden ist oder
vermuthet werden könnte. Als Todesursache wurde 2 Mal Cholerine, je 1 Mal Lungenentzündung,
Croup und Bronchitis, 6 Mal Krämpfe festgestellt. Bei Erwähnung
zweier Todesfälle aus letzterer Ursache hebt ein Kreisphysikus hervor, daß der Besuch
der Schänken nach der Impfung möglicherweise das Vorkommen derartiger Ereignisse
begünstige.
Aus Bayern geschieht 7 solcher Todesfälle von Impflingen Erwähnung, welche
„mit der Impfung in keinem Zusammenhange stehen, aber doch zur Kenntniß gebracht
werden, um etwaigen falschen Gerüchten, an denen nicht gar selten eine maln fides
Antheil hat, mit dem Gewichte von Thatsachen begegnen zu können.“ Als Todesursache
wurde je 1 Mal Lungenentzündung und Bronchitis, 3 Mal Brechdurchfall, 2 Mal Durchfall
mit Konvulsionen und Abzehrung angegeben. Im Königreich Sachsen starben
4 Kinder in den ersten Wochen nach der Impfung, 1 an Halsleiden, 1 an fieberhaftem
Lungenkatarrh, 1 an Krämpfen, an denen das Kind bereits wiederholentlich gelitten
hatte, 1 an Varicellen, welche damals auch bei den Geschwistern aufgetreten waren.
Wie ausdrücklich in dem sächsischen Impfberichte bemerkt wird, war in diesen 4 Todesfällen
irgend welcher Zusammenhang mit der Impfung auszuschliessen. In Württemberg
betrug die Zahl der Kinder, welche innerhalb der ersten 7 Tage nach der Impfung
gestorben sind, im Berichtsjahr bei den Erstimpflingen 17 (gegen 8 im Vorjahr) und
bei den Wiederimpflingen 1 (im Vorjahr ebenfalls 1). Bei zweien der verstorbenen
Erstimpflinge war ein ursächlicher Zusammenhang des Todes mit der vorangegangenen
Impfung von vornherein auszuschließen, da der Tod durch zufällige Verunglückung
(Ueberfahremverden und Verbrennung) verursacht war; aber auch bei den übrigen 15
war ein solcher Zusammenhang nicht zu erniren. Als Todesursache ergab sich nämlich
9 Mal Brechruhr, 3 Mal katarrhalische Pneumonie und je 1 Mal Eklampsie, Masern
und Scharlach. Bei dem innerhalb der ersten 7 Tage nach der Impfung verstorbenen
Wiederimpfling war die Todesursache eine 3 Tage nach der Impfung beim Spielen
durch Stehen auf dem Kopf veranlaßte, gewaltsame Beugung der Halswirbel und darauf
erfolgte Entzündung des Halstheiles des Rückenmarks. Der Tod trat am 6. Tage nach
der Impfung ein.
Aus Baden werden 3 Todesfälle bald nach der Impfung erwähnt, je 1 an
Lungenentzündung, kapillärer Bronchitis und Hirnhautentzündung mit Stimmritzenkrampf.
Zum letzteren Todesfall bei einem 7 monatlichen Kinde wird bemerkt, daß
weder Arzt noch Eltern den Tod mit der Impfung in Zusammenhang brachten. Von
den 7 betreffenden Todesfällen im Großherzogthum Hessen waren 2 durch Diphtheric,
3 durch Brechdurchfall bezw Darmkatarrh bedingt, ein Kind starb an Pyämie, welche
aber nicht von den Impfstellen, sondern von einem durch einen Pfuscher ohne antiseptische
Vorsichtsmaßregeln eröffneten Halsdrüsenabsceß ausgegangen war; endlich starb
ein Impfling, dessen Todesursache nicht näher angegeben ist; ein Zusammenhang mit
der Impfung wurde jedoch wie in den übrigen 6 Fällen abgelehnt.
In Sachsen-Weimar starb während der Entwickelung der Impfpusteln ein
kleines Kind nach 2-tägigem Kranksein an „Zahnkrämpfen.“ Der Impfarzt sieht den
Todesfall nicht als Folge der Impfung an, sondern hält das Vorkommniß für ein
„unglückliches Zusammentreffen“, wie es übrigens auch von den Leuten am betreffenden
Orte beurtheilt wurde. In Sachsen-Koburg-Gotha starb ein Kind 4 Tage nach der
Impfung an Croup, ein anderes erkrankte 20 Tage nach der Impfung in Folge einer