Leissızens Verhältniss zur Societät im Jahre 1714. 195
legen. Da Leissiz in diese Sache verwickelt worden ist, so bedart
es einer kurzen Bemerkung über sein Verhalten zur Soeietät in dem
letzten Jahre.
Bis zum April 1714 dauerte der regelmässige Verkehr mit dem
Secretar von Leiexizens Seite ganz so wie früher. Wir können
aus den Briefen JaBroxskıs feststellen, dass er vom März 1713
bis April 1714 mindestens zwölf Schreiben als Präsident der Societät
an Jenen gerichtet hat, und aus den Antworten lässt sich
erkennen, dass sich Leisxız nicht nur um das Kleinste bekümmnert!',
sondern sich auch beklagt hat, dass ınan ihn nicht genügend orientire”;
man theilte ihm nicht einınal die Namen der neu aufgenomımenen
Mitglieder mit und liess (s. oben) ein Manuscript im Namen
der Societät drucken, das er vorher nicht geselien hatte. Was endlich
sein Gehalt betrifft, so war die Societät bis zum Frühjahr 1713
mit 900 Thlr. im Rückstand; in dem folgenden Jahr aber war nichts
melr bezahlt worden, so dass sie ihm im Frühjahr 1714 1500 Thlr.
schuldete®.
Diese Umstände, noch mehr aber vielleicht die beiden Todesfälle,
die tief in sein Leben eingriffen (der Herzog Anton ULricn
starb im März, die Kurfürstin Sorsıe am 8. Juni 1714; er verlor
in ihnen seine einflussreichsten Gönner in Hannover), sodann die
Aussielit, in Wien wirklich seine Pläne durchzusetzen, endlich der
Tod der Königin Anna am 12. August 1714 und die Succession seines
Jandesherrn als König von England alles dies wirkte zusammen,
um ihn ein halbes Jahr völlig von Berlin und der Societät abzuziehen.
Er liess ein paar Briefe unbeantwortet und berührte auclı
Berlin bei seiner Rückelır von Wien nach Hannover nicht; die Umwälzung
im Kurstaate stand jetzt selbstverständlich für ihn in Vordergrund.
Was hätte er auch in Berlin tlıun sollen? Rathschläge
! Dass trotzdem die ('orrespondenz nicht mannigfaltiger gewesen ist, lag an
dein »schläfrigen Zustand« der Societät; eine Initiative aber konnte Leıirvız nicht
ergreifen, nicht nur, weil er weit entfernt war, sondern auch weil er wusste, dass
ınan sie nicht wünschte.
?2 Das ist noch in einem Briefe vom Februar 1714 geschehen. Der Brief
Nr.157 des Secretars vom 17. Februar ist ein förmliches Entschuldigungsschreiben.
»Die meisten bei der Societät vorfallenden Sachen sind so bewandt, dass sie keinen
langen Verzug leiden, sondern bald abgethan werden wollen, worunter mehrentheils
auch die Receptiones membrorum Societatis, dieweil sie bei gewissen Occasionen
sollicitirt werden, da ıman mit der Ausfertigung kaum fertig werden kann. Sonst
würde nicht erinangeln, von allem zeitigen Vortrag zu thun.«
3 Diese Berechnung stamınt von der Societät selbst (s. unten), nicht etwa
von Leieniz.
13*