—–1908 —
Truppen, die schon so lange in seinem Gebiete gehaust hatten, befreit zu werden
hoffte, andererseits fürchtete er die Folgen; denn es stand ihm nur der Anschluß
an Schweden bevor, jedenfalls ein bedenklicher Schritt, jedoch war ohne denselben
seine Anwartschaft auf Pommern ein ganz illusorisches Recht.
Der Kurfürst von Sachsen war nicht mehr ohne Besorgniß vor den ligistischen
Truppen, doch andererseits noch weit weniger geneigt, sich den Schweden
anzuschließen, oder vielmehr, was die natürliche Folge sein mußte, unterzuordnen.
Da faßte er, denn sein Herz war trotz aller Schwäche nicht ohne ehrgeizige
RKegung, den Plan, eine dritte Partei zwischen dem Kaiser und den Schweden
mit ihren Bundesgenossen zu gründen. Zu diesem Zweck schrieb er eine
Zusammenkunft der protestantischen Stände nach Leipzig aus und veranlaßte sie
auch zu dem Beschluß einer gemeinsamen Rüstung, ein Schritt, welcher natürlich
vom Kaiser sehr übel ausgelegt wurde. Nach diesem Auftreten Sachsens hatte
sich auch Georg Wilhelm so weit ermannt, daß er den zügellosen Gewaltthaten
der Kaiserlichen festeren Widerstand entgegen zu setzen beschloß.
So standen die Sachen als Gustav Adolph in der Mark vordrang. 8000
Kaiserliche hatten sich in die Stadt Frankfurt geworfen, konnten sie aber nicht
gegen den König halten, der mit stürmender Hand eindrang. Die Schweden
hieben Alles nieder, zur Vergeltung für Neubrandenburg, wo 2000 Mann
Schweden dasselbe Schicksal von den Gegnern hatten erdulden müssen. Erst
nach großen Anstrengungen konnte Gustav Adolph der Wuth seiner Soldaten
Einhalt thun.
Jetzt nahte für Georg Wilhelm die Stunde der Entscheidung, wo er sich
entweder für den Kaiser oder seinen Schwager, den König von Schweden erklären
mußte. Letzterer war nun Herr seiner Lande, die er selbst nicht zu schützen vermocht
hatte. Nach der Eroberung von Landsberg erschien der König vor Berlin.
Seine Nähe gab der starken Partei an dem kurfürstlichen Hofe, welche den Anschluß
an Schweden und kühne Vertheidigung der protestantischen Interessen
wünschte, neuen Muth. Selbst die Gemahlin Georg Wilhelms und ihre Mutter,
die verwittwete Pfalzgräfin, waren eifrige Anhänger derselben. Von des Königs
vertrauteren Räthen stimmte besonders für diese Politik der Oberst von Burgsdorf,
der sich freilich sonst nur durch den Ruf, ein außerordentlich starker Zecher
zu sein, hervorgethan hat, indem er sich rühmen konnte, wohl achtzehn Quart
während der kurfürstlichen Tafel, und oft ein volles Quart in einem Zuge
ausgetrunken zu haben.
Schwarzenberg, gegen welchen der König seinen Widerwillen nie verhehlt
hatte, wich dem unangenehmen Zusammentreffen aus, und ging nach Westphalen
und Holland. Von dem Augenblick an fand die schwedische Partei keinen bedeutenden
Widerstand mehr am Hofe zu Berlin. Nichts desto weniger brachten
den unschlüssigen Kurfürsten erst Drohungen der Gewalt zur Entscheidung. Die
Unterredung der Fürsten fand in der Köpnicker Heide statt, wo der König von
Schweden mit vier Kanonen und einer starken Bedeckung anderer Truppen-