Metadata : Königlich Württembergisches Staats- und Regierungs-Blatt vom Jahr 1823. (18)

Zur  Zeit  seines  Amts-Antrits  im  Jahr
1814  war  die  aus  etwa  230  Buͤrgen  bestehende
  Gemeinde  Bezingen,  neben  bedeutenden
  Steuer=  Rückständen  mit  einer
Capikalschuld  von  9.)4)  fl.  belastet.  Die
Zinse  hiefür  und  ein  großer  Theil  des
Commun-Aufwands  mußten  durch  alljahrliche

  Umlegung  eines  drückenden  Fleckenschadens
  herbeigeschaft  werden;  die  Commun-Reoenen
  wurden  nicht  gehbrig  verwaltet,
  Allmanden  nicht  ordnungsmäßig
benüst,  und  mehr  als  50  Börger  waren
durch  eingestelltes  Bestand  =  Vieh  einem
empdrenden  Wucher  preisgegeben.

Die  Vicinal=  und  Güterwege  waren  im
schlechten  Zustand,  und  die  Communication
mit  benachbarten  Orten  durch  den  Echaßtfluß,
  über  welchen  keiné  Brücke  fährte,

Unterbrochen.

Durch  kluge  Verwaltung  und  Verwendung
  des  Gemeinde-Vermögens  und  seines
Ertrags,  durch  vernünftige  Vorstellungen,
und  da,  wo  es  nöthig  war,  durch  besonnene
  Strenge  sind  nun  die  alten  Steuer-Rückstände
  troß  der  dazwischen  gefallenen
Theurungs  =  Jahre  vrollsiändig  getilgt;
der  Betreff  an  der  laufenden  Staats-Steuer,
  so  wie  an  dem  Amksschaden  wird
alle  Monate  pünktlich  entrichtet;  die  ganze
Kapitalschuld  der  Gemeinde  ist  heimbezahlt,
elles  Bestand-WVieh  ist  aus  dem  Orte

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verschwunden,  der  Wucher  findet  dort
keinen  Spielraum  mehr,  eine  besondere
Leih-Kasse  sichert  dem  ärmeren  Bürger
tgegen  mäßige  Zinse  und  Anberaumung
sehr  leldentlicher  Zahlungsfristen  sein  Bedürfniß
  an  Melk=  und  Zugvieh.  Auf  die
„Allmand  sind  im  Jahr  16:7  2,  200  Stück
Fruchtbaume  geseht  worden,  welche  jetz
den  Bürgern  einen  reichen  Seegen  gewälren,
  ein  vorher  nugloser  Platz  ist  mit  3oo#“
Stück  Felben  und  Alben  beseht,  und  ein
neuer  Forchenwald  von  20  Morgen  angelegt
  worden.  «

Die  Güter=  nud  Nachbarschaftswege
sind  ordnungsmäßig  hergestellt,  eine  schöne
steinerne  Brücke,  aus  freiem  Antrieb  und
aus  den  eigenen  Mitteln  der  Gemeinde
erbaut,  führt  über  den  Schabfluß,  und
jebt  wird  die  Erbauung  eines  neuen  Rathund
  Schulhauses  vorbereitet.

Alle  diese  Verbesserungen  sind  für  den
einzelnen  Bürger  so  wenig  drückend  gewesen,
  daß  seit  mehreren  Jahren  gar  kein
Fleckenschaden  umgelegt  wird,  und  ein
verzinsliches  Activ  -Kapital  von  Soofl.
vorhanden  ist.

Mochte  gegenwärtige  Darstellung  auch
für  andere  Orts-Vorsteher  eine  Triebfeder
  zur  Nacheiferung  werden.

Reutlingen  den  15.  December  1835.

Freiherr  v.  Linden.