Full text : Preußische Geschichte. Zweiter Band. (2)

I.  Im  nordischen  Krieg  im  zwange  Schwedens.  21

schwankte  und  vor  dem  eutscheidenden  Schritt  zurückschreckte.
Auch  die  westprenßischen  Stände  wollten  von  einer  solchen
„Konjunktion“  nichts  wissen  und  sahen  in  dem  ohne  sie  ge—
schlossenen  Königsberger  Vertrag  einen  Bruch  des  Rinsker
Bündnisses.  Dagegen  meinte  Waldeck,  man  dürfe  die  augen—
blicklich  verfügbaren  großen  militärischen  Mittel  nicht  unbenutzt
lassen:  käme  es  im  Norden  zum  Frieden,  müsse  man  sich  auf
Jülich  und  Berg  werfen.  Ja  selbst  wenn  der  Krieg  in  den  bal—
tischen  Landen  fortdauerte,  hielt  er  den  „Dessein  am  Nieder—
rhein“  für  ausführbar:  die  Preisgebung  seines  Neuburger
Vetters  war  ein  Teil  des  Preises,  den  der  Schwedenkönig  für
die  Hilfe  gegen  Polen  zahlen  sollte;  seines  eigenen  Hauses
Aurechte  auf  jene  Gebiete  sollte  er  ausdrücklich  aufgeben.  Dagegen
  tritt  damals  die  Frage  nach  der  Sonveränetät  Preußens
zurück:  dem  Kurfürsten  genügte,  in  Preußen  „etwas  absoluter"
gestellt  zu  werden.  Ueberraschend  war  dagegen  die  Größe  der
von  ihm  geforderten  territorialen  „Satisfaktion".  Als  solche
verlangte  er  zunächst  „das  ganze  Großpolen"“  und  eine  Kommunikationslinie
  zwischen  der  Mark  und  Preußen  nebst  einem
Weichselübergang.  Er  acceptierte  also  vorbehaltloo  die  von
Karl  Gustav  beabsichtigte  Zerstlickelung  Polens.  Trotzdem  erfolgte
  die  Verständigung  nicht  so  schnell,  wie  beide  Teile
wünschten.  Einmal  verweigerte  Karl  Gustav  den  Verzicht  auf
Jülich  als  unvereinbar  mit  seiner  Ehre;  auch  habe  er  kein
Zwangsrecht  gegen  die  Neuburger  Vettern.  So  mußte  der
Kurfürst  auf  den  „großen  Dessein“  schließlich  verzichten.  Daß
der  König  dem  am  Niederrhein  etwa  Geschehenden  ruhig  zusehen,
  ja  Brandenburg,  wurde  es  dort  angegriffen,  sogar  helfen
wollte,  nützte  diesem  nichts,  da  seine  Armee  im  Norden  gebunden
  blieb.  Den  mehr  moralischen  als  politischen  Bedenken,
die  in  des  Kurfürsten  Umgebung  gegen  den  Bund  mit  Schweden
zur  Beranbung  Polens  laut  wurden,  hielt  Waldeck  mit  Recht
entgegen,  daß  Brandenburg  daran  ja  schon  beteiligt  sei  durch
die  Annahme  des  Ermelandes,  wofür  es  nach  Schwedeno  Unterliegen
  sich  von  der  katholischen  Partei  des  Aergsten  zu  versehen
habe.  Dennoch  kam  der  Kurfürst  unter  dem  Ginfluß  seiner
Königsberger  Umgebung  immer  wieder  auf  den  Gedanken  der