Full text : Blätter für Rechtsanwendung. Ergänzungsband zu Band 54. (54e)

1  Geschichte.  131

Prinz  in  frischer  Jugendlust  teil.  Nach  zwei
Jahren  des  Studiums  wurde  er  von  dem
Hürsten  Bismarck  in  die  Staatskunst  eingeführt.
  —  Mit  Leib  und  Seele  war  DHrinz
Wilhelm  Soldat.  Den  Dienst  der  verschiedenen
Waffengattungen  lernte  er  gründlich  kennen,
und  es  erfüllte  ihn  mit  besonderer  Freude,
als  ihn  der  berühmte  Heerführer  Prinz  Friedrich
  Karl  einst  wegen  seiner  geschickten  Führung
  des  Garde--husarenregiments  lobte.

2.  Dermählung.  Im  Jahre  1881
vermählte  sich  Prinz  Wilhelm  mit  der  Drinzessin
  Kuguste  Diktoria,  der  ältesten  Tochter
des  herzogs  Friedrich  von  Schleswig-Holstein
Sonderburg-Kugustenburg.  Die  junge  gürstin
gewann  sich  durch  ihre  natürliche  Anmut  und
große  herzensgüte  bald  die  Suneigung  der
kaiserlichen  Familie  und  die  Liebe  des  Dolkes.  —  Am  6.  Mai  1882  wurde  dem  Hrinzen
der  erste  Sohn,  der  jetzige  Kronprinz  Wilhelm,  geboren.  Noch  fünf  Söhne  (die  Prinzen
Eitel  Friedrich,  Hdalbert,  August  Wilhelm,  Oskar,  Joachim)  und  eine  Cochter  (die  Drinzessin
  Diktoria  Luise),  die  alle  fröhlich  gediehen,  wurden  dem  jungen  fürstlichen  Chepaare
im  Laufe  der  Jahre  geschenkt.  Ein  inniges  Band  der  Liebe  umschlingt  Eltern  und  Kinder
zu  einem  glücklichen  und  vorbildlichen  Familienleben.

5.  Regierungsantritt.  Das  Trauerjahr  1888  raubte  dem  deutschen  volke  seine
beiden  ersten  hohenzollernkaiser.  Im  Klter  von  29  Jahren  übernahm  Wilhelm  II.
die  preußische  Königskrone  und  die  deutsche  Kaiserwürde.  In  Gegenwart  der  deutschen
Fürsten,  die  einmütig  an  seine  Seite  geeilt  waren,  eröffnete  er  den  ersten  Reichstag  unter
seiner  Regierung.  Wie  sein  großer  Dorfahr  Friedrich  II.  gelobte  er,  sich  jederzeit  als  ersten
Diener  seines  Staates  zu  betrachten.  In  dem  Derhältnis  des  Reiches  zu  den  andern
Dölkern  trat  keine  Anderung  ein.  Der  Dreibund  blieb  bestehen  und  wurde  nach  Ab—
lauf  seiner  Geltungsfrist  erneuert;  Fürst  Bismarck  lenkte  nach  wie  vor  mit  Meisterhand
  die  Geschicke  Deutschlands.  Durch  Besuche  bei  den  Fürsten  Europas  suchte  Kaiser
Wilhelm  Dertrauen  zu  erwerben  und  den  Weltfrieden  zu  sichern.

4.  Naiser  und  Kanzler.  Schon  in  den  ersten  Jahren  der  Regierung  Wilhelms  II.
zeigte  es  sich,  daß  die  Ansichten  des  jungen  Kaisers  in  vielen  Dingen  von  denen  des  Fürsten
Bismarck  abwichen.  Besonders  in  bezug  auf  die  Arbeiter-Schutzgesetzgebung,  die  der  Kanzler
weniger  weit  auszudehnen  beabsichtigte,  ergaben  sich  tiefgehende  Meinungsverschiedenheiten.
  Wohl  erkannte  der  Uaiser  die  unvergänglichen  Derdienste  des  Fürsten  um
Deutschlands  Einigung  und  um  das  Reich  freudig  an.  Der  junge,  tatkräftige  herrscher,
  der  „sein  eigener  Kanzler“  sein  wollte,  wünschte  jedoch  mancherlei  Regierungsgeschäfte,
  die  Fürst  Bismarck  bisher  allein  geführt  hatte,  selbst  in  die  hand  zu  nehmen.
Daher  wurde  der  alte  Reichskanzler  im  Jahre  1800  unter  Erhebung  zum  „herzoge
von  Lauenburg“  entlassen  und  zog  sich  auf  sein  Gut  Sriedrichsruh  im  Sachsenwalde
bei  hamburg  zurück.  —  Später  kam  es  zur  Freude  des  deutschen  Volkes  wieder  zu
einer  Annäherung  zwischen  Kaiser  Wilhelm  und  dem  Fürsten;  aber  seinen  Sachsen-Leben

  und  Treiben  der  Studenten  nahm  der
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Kaiserin  Auguste  Diktoria.