Metadata : Bismarck. Sein Leben und sein Werk.

Der  Berliner  Student  21

Vermutlich  war  es  von  seinen  Gläubigern  mit  Beschlag  belegt.
Er  bat  seine  Göttinger  Freunde,  es  ihm  zu  verschaffen.  Erst  im
April  1834  traf  es  ein,  wie  er  fürchtet,  zu  spät,  da  die  Berliner
  Universitätsbehörde  schon  seit  Weihnachten  nichts  mehr
von  ihm  wissen  wollte.  Trotzdem  machte  er  sich  keine  ernsten
Sorgen;  er  schreibt  im  April  1834  von  Kniephof  an  Scharlach:
„Ich  werde  daher  wohl  das  Portefeuille  der  Auswärtigen  ausschlagen,
  mich  einige  Jahre  mit  der  rekrutendressserenden  Fuchtelklinge
  amüsieren,  dann  ein  Weib  nehmen,  Kinder  zeugen,  das
Land  bauen  und  die  Sitten  meiner  Bauern  durch  unmäßige
Branntweinfabrikation  untergraben.  Wenn  Du  also  in  zehn
Jahren  einmal  in  die  hiesige  Gegend  kommen  solltest,  so  biete  ich
Dir  an,  so  viel  Kartoffelschnaps  zu  trinken,  als  Du  willst  und
auf  der  Hetzjagd  den  Hals  zu  brechen,  so  oft  es  Dir  gut  scheint.
Du  wirst  hier  einen  fettgemästeten  Landwehrofftzier  finden,
einen  Schnurrbart,  der  schwört  und  flucht,  daß  die  Erde  zittert,
einen  großen  Abscheu  vor  Franzosen  hegt  und  Hunde  und  Bediente
  auf  das  Brutalste  prügelt,  wenn  er  von  seiner  Frau
tyrannisirt  worden.  Ich  werde  lederne  Hosen  tragen,  mich  zum
Wollmarkt  in  Stettin  auslachen  lassen,  und  wenn  man  mich
Herr  Baron  nennt,  werde  ich  mir  gutmütig  den  Schnurrbart
streichen  und  um  zwei  Thaler  wohlfeiler  verkaufen;  zu  Königs
Geburtstag  werde  ich  mich  besaufen,  und  vivat  schreien,  übrigens
mich  häufig  anreißen  und  mein  drittes  Wort  wird  sein:  Auf
Ahre!  superbes  Pferd!  Kurz,  ich  werde  glücklich  sein  im  ländlichen
  Kreise  meiner  Familie;  car  tel  est  mon  plaisir.  Schade,
daß  meine  Kenntnisse  so  vermodern,  ich  war  schon  bis  zur  Beendigung
  der  Obligationen  gekommen.“

Um  die  Zeit,  als  er  diesen  Brief  schrieb,  muß  es  zu  ernsten
Auseinandersetzungen  mit  den  Eltern  gekommen  sein,  die  schließlich
  kategorisch  verlangten,  er  solle  Soldat  werden;  sie  scheinen
daran  verzweifelt  zu  haben,  daß  Bismarck  ein  Examen  bestehen
werde.  Nun  nahm  er  seine  Kraft  zusammen,  versuchte  Kollegien
  zu  hören,  z.  B.  Staatsrecht  bei  Savigny,  sah  aber  ein,
daß  auf  diese  Weise  Versäumtes  nicht  nachzuholen  sei.  Er  gab
das  auf  und  holte  unter  Beihilfe  eines  tüchtigen  Privatdozenten