— 13 —
Doch wurde schon angedeutet, dafs, als die Pfälzer dem Kaiser
ihre Unterwerfung anboten, Richard von Trier sich diesem Schritt
anschloßs. Ja, der Erzbischof, der sich getrieben fühlen mochte,
seine Dienste dem Kaiser eher anzubieten, als dieser so mächtig sein
werde, dafs ihm dieselben wertlos erschienen, gewann es sogar über
sich, eine Pension von Karl und dem Erzherzog anzunehmen, und
ihnen dafür seine guten Dienste zu verheilsen. In Speier, während
des Reichstages, wurde hierüber zwischen Richard und dem Infanten
ein förmlicher Vertrag aufgesetzt‘), doch waren die Verhandlungen
wohl schon früher zu befriedigendem Abschlufs gediehen; bereits,
als der Erzbischof am 7. Juni seinen Einzug in Speier hielt, holte
ihn Ferdinand auf das feierlichste ein und beide erschienen von
Anfang an im besten Vernehmen miteinander’).
Freilich behauptete Richard auch dem Erzherzog gegenüber
seine freiere, vermittelnde Richtung in kirchlicher Hinsicht; niemals
ein Eiferer gegen das Luthertum, besals der Kurfürst Einsicht genug,
um das Unfruchtbare prinzipieller Abweisung der Reformtendenzen
des Zeitalters zu erkennen?). Überhaupt aber waren
') Auszur bei Bucholtz Bd. IX S.5 nr. 3, d. d. Speier 1. Juli1526. Der
Erzbischof nimmt nur als seine Bundesgenossen Kurpfalz und den Landgrafen
aus, gegen welche er zu keiner Hilfe verpflichtet sein will.
2) Des Einzuges Richards gedenkt Contarini am 8. Juni (bei Thomas.
Martin Luther nr. 205), der auch mitteilt, er habe vernommen, dafs die drei
geistlichen Kurfürsten den Erzherzog zum römischen König machen wollten;
aber man halte dafür, die anderen Kurfürsten seien nicht einverstanden, weil
sie fürchteten, dadurch dem Kaiser ein Leid anzuthun. — Besagt dies Gerücht
auch nicht die strikte Wahrheit, so bezeichnet es doch die Situation.
Die Ergebenheit der Erzbischöfe gegen Ferdinand war Thatsache und ebenso
sahen wir schon, dafs Kurpfalz glaubte, Ferdinands Wahl werde dem Kaiser
zuwider sein. Übrigens wurden dann von dem Erzherzog, während des
Reichstages, die Kurfürsten, besonders wohl die geistlichen, sondiert und
machten ihm Aussicht, vgl. das Schreiben des Kaisers an Ferdinand vom
29. November 1526 (Wien, Briefbuch): „jai eu grand plaisir entendre et
savoir ... quilyait eu aucuns 6lecteurs qui ... . ont pratigu& de vous faire
roi des Romains.“ .
°) Landgraf Philipp, der, wie wir hörten, sich vorgenommen hatte, den
Kurfürsten für das evangelische Bündnis anzugehen, scheint das auch versucht
zu haben, wennschon ohne Erfolg. Am 20. Juni 1526 nämlich berichtete
der Erzherzog dem Kaiser (Abschrift Wien, H.H.St. A.), der Landgraf,
welcher im Begriff gestanden habe, die Fahne des Aufruhrs zu erheben, sei
daran durch den Kurfürsten von Trier (und den Pfalzgrafen) verhindert
worden. Da nun Ferdinand, als er das schrieb, sich seit etwa vierzehn Tagen
mit dem Trierer an demselben Orte befand, so ist wohl sicher anzunehmen,