Allgemeine Pflichten. §. 44. 127
Wie viele junge Männer alljährlich in das stehende Heer
und in die Marine einzustellen seien, das bestimmt der Kaiser
auf Grundlage der Reichsverfassung, der zufolge die Friedenspräsenzstärke
vorläufig 1 Procent der Bevölkerung beträgt.)
3) Wollen junge Männer ihrer Wehrpflicht schon vor dem
erwähnten gesetzlichen Anfangstermin genügen, so steht ihnen,
wenn sie die nöthige körperliche und moralische Qualification
besitzen, vom vollendeten 17. Lebensjahre an der Eintritt in
den Militärdienst frei.)
Junge Leute von Bildung, welche sich während ihrer Dienstzeit
selbst bekleiden, ausrüsten und verpflegen 10), und welche die
gewonnenen Kenntnisse in dem vorschriftmäßigen Umfang dargelegt
haben, werden schon nach einer einjährigen Dienstzeit im stehenden
Heere, vom Tage des Diensteintrittes an gerechnet, zur Reserve
beurlaubt. Sie können nach Maßgabe ihrer Fähigkeiten
und Leistungen zu Officierstellen in der Reserve und Landwehr
vorgeschlagen werden. — Einjährig-Freiwillige. 1)
8. 44.
Fortseczung: Befreiung und AusschlieHhung.
1) Befreit von der Wehrpflicht sind
a) der Natur der Sache zufolge diejenigen jungen Leute, welchen
2) S. Art. 60; das Reichsgesetz, welches hier in Aussicht gestellt ist,
haben wir in Note 1 bereits angeführt. Auch dieses ordnet ein Interim
an und setzt die Friedenspräsenzstärke des d. Heeres an Unteroffizieren und
Mannschaften auf 401,659 Mann fest, wobei die Einjährig-Freiwilligen
nicht in Anrechnung kommen.
") Sie treten dann nach drei Jahren in die Reserve 2c. über und beenden
sonach ihre Gesammtdienstzeit um so viel früher, als sie vor dem
20ten Jahre eingetreten sind.
10) Die Ausnahme zu Gunsten mittelloser junger Leute von besonderer
Befähigung im Art. 37 des bayer. Wehrgesetzes ist dem Reichsgesetze unbekannt.
11) S. das Wehrges. §. 11; Mil.-Ges. 9§ 14, 50 Abs. IV. Die
näheren Bestimmungen über die Verhältnisse der Einjährig-Freiwilligen, sowohl
was die Vorbedingungen als die Modalitäten des Eintritts u. a. betrifft,
s. in der angef. Wehr-Ordnung v. 1875 9§8. 8, 88—94. Ueber die
Erleichterung, welche den Volksschullehrern und den Candidaten des Schuldienstes
zusteht, s. das. R.-Mil.-Ges. §. 51 und die Wehr-Ordnung §. 9.