Full text: Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Vierter Band. (4)

Die Gefahren des Bolschewismus 513 
stadt ein. Er seczte Marinetruppen an den Strand und hielt die Stadt unter 
der Mündung seiner Kanonen, bis die Besatzung niedergekämpft war. Nach 
kurzem schwerem Straßenkampf streckten die Garden Crotkis die Waffen 
und gaben den Weg nach Tammerfors, in den Rücken der zwischen Tammer- 
fors und Lathi bei Tavastehus stehenden russischen Hauptmacht frei. Nun 
traten Deutsche und Finnen den konzentrischen Vormarsch auf Tavastehus 
an. Die Finnen rückten unter der Führung ihres Generals Manmerbeim 
von Tammerfors südostwärts vor, die Masse der Division v. d. Golgtz ging 
von Helsingfors nördlich über Ruhimäli vor, und Brandenstein marschierte 
von Lowisa in nordwestlicher Richtung auf Lachi. Die rote Armee wehrte 
sich in wilden, erbarmungslos geführten Kämpfen gegen die Umfassung, 
vermochte aber trotz ihrer zahlenmäßigen Stärke den Ring nicht zu durch- 
brechen und gab sich in den letzten Tagen des April bei Lathi gefangen. 
Darauf rückte v. d. Goltz gen Wiborg, in das finnische Freischoren schon 
von Norden eingedrungen waren, und pflanzte in der Nordwestflanke Peters. 
burgs das deutsche Banner auf. 
Da die Engländer inzwischen Truppen an der Murmanküste gelandet 
hatten, um die riesigen Stapel zu sichern, die dort von ihnen angelegt worden 
waren, und einen Druck auf das bolschewistische Petersburg ausüben zu 
könmen, wirkte die Besetzung Finnlands durch die Deutschen hemmend auf 
dieses englische Mansver. Die Bedrohung Petersburgs durch die Briten 
war indes nicht von Belang, denn England erblickte in den Bolschewisten 
nicht Bundesgenossen, sondern Gegner, und ein englischer Vorstoß auf Peters- 
burg hatte ebensowenig Aussicht auf Erfolg, wie die Versuche Alexejsews, 
in Südostrußland eine Armee gegen die kommmmistische Regierung aufzu- 
bieten, und wie die Offensiven, die von sapanischen und eschecho-slowakischen 
Streitkräften im Auftrage der Westmächte gegen Moskau vorbereitet 
wurden. 
Die Gefahren des Bolschewismus 
ODas Chcaos, das aus dem Jerfall des Jaranreiches hervorgegangen 
war, spottete seder raschen Neuordnung und verschlang alle Kräfte, die von 
außen auf die brodelnde Masse zu wirken suchten. Das kommunistische Prinzip, 
das den hungernden Arbeitern und den besitzlosen Bauern des zerrütteten 
Riesenreiches und dem Proletariat der ganzen Welt die Gewalt zuerkanmte, 
in der Einsetzung von Arbeiter- und Soldatenräten mit übergeordneter 
Befehlsgewalt das Heil erblickte und von seinen Anhängern mit Feuer und 
Schwert verbreitet wurde, entband slärkere Kräfte und enrfachte größere 
Hoffnungen als alle von fremden Waffen unterstüsten Restaurationsversuche 
zu wecken vermochten. Lenin und Trotki waren im Besige Petersburgs 
und Moskaus und der Zentralgewalt. Rußland war zwar kleiner geworden, 
Steaemanns Geschichte des Krieges IV 3