Noch einmal „Um Elsaß.- Lothriugens willen“ 517
einigung der Nationen mit bestimmten Vertragsbedingungen, durch welche
die politische Unabhängigkeit und Unverletzlichkeit der großen wie der
kleinen Nationen gewährleistet werde.
Im Nachwort zu diesen Thesen erklärte Wilson ausdrücklich, daß er
nicht auf die Schwächung Deurschlands ausgehe, daß er das Reich nicht zu
einem Wechsel seiner Einrichtungen veranlassen wolle, sondern daß er nur
Deutschlands Vorherrschaft bekämpfe, und daß das aufgestellte Drogramm
den Grundsaß der Gerechtigkeit für alle Bölker und Nationen, seien sie groß
oder klein, stark oder schwach, beachtet wissen wolle.
Dieses Drogramm war Woodrow Wilsons eigenstes Werk, das Kind
seines Geistes, beseelt von der Idee des Bölkerbundes, behaftet mit Schwächen
und Zufälligkeiten, die seinem Erzeuger teils bekannt, teils unbekannt waren,
die er aber willig hinnahm, um die schöne Seele zu retten. Da Wilson nur
für sich sprach, war die Entente nicht an dieses Drogramm gebunden, und
da das Drogramm in allgemeinen Wendungen abgefaßt war, ließ es den
Mächten, denen die Vereinigten Staaten sich angeschlossen hatten, die Dög-
lichkeit, die einzelnen Punkte mit tief ins deutsche Lebensinteresse und in die
Entwicklung des deutschen Volkes greifenden Forderungen zu erfüllen.
Noch einmal „Um Elsaß-Lothringens willen“
Das deutsche Volk las das angelsächsische Weltmanifest und geriet bald
in Versuchung, die 14 PDunkte, von eigenem Rechtsempfinden geleitet, so zu
seinen Gunsten auszulegen, daß es darin zwar den Verzicht auf Elsaß-Loch.
ringen und die flandrische Küste, auf die Aufrichtung einer wie immer ge-
arteten Herrschoft über die östlichen Gebiete ausgesprochen fand, aber keines-
wegs annehmen konnte, man werde mehr von ihm verlangen als Wilsons
konkrete Forderungen erkennen ließen.
Oie Notwendigkeit des Verzichtes auf Elsaß-Lothringen trat in der
Botschaft Wilsons klar und nacke zutage. Wilson halte im 8. Punkt aus.-
drücklich gesagt: „Das Unrecht, das Frankreich von PDreußen im Kriege 1871
in bezug auf Elsaß-Lochringen angetan wurde, das Unrecht, welches den
Weltfrieden während nahezu 50 Jahren in Frage gestelle hat, sollte wieder
gutgemacht werden, damit der Frieden im Interesse aller wieder sichergestellr
werden kann.“ Wilson stellte sich damit an Frankreichs Seite und machte sich
Frankreichs Forderung ausdrücklich zu eigen, nachdem England sich bereits
durch Geheimvertrag verpflichtet hatte, so lange für diese Forderung einzu-
treten und zu kämpfen, als Frankreich sie selbsi aufrecht erhalte.
Das war ein schwerer Schlag für die deutsche Politik. Staatssekretär
v. Kühlmann, der Nachfolger Zimmermanns, hatte am 9. Oktober 1917—
also in einem enescheidungsvollen Augenblick nach dem Scheitern der englisch-