698 Aus den Betrachtungen zur Kriegslage
Foch hat inzwischen einen strakegischen Kompromiß geschlossen und zur
Ausführung gebracht. Er verfuhr nicht nach strengsten, um nicht zu sagen dog-
matischen Grundsä?en, nach welchen er der Reihe nach die anliegenden Fronkteile,
also die in Flandern und in der Champagne. hätte in Bewegung bringen mücssen,
verfiel auch nicht ins Extrem und brach nicht sofort an der Südvogesenflanke vor,
sondern ging einen goldenen Miteelweg, indem er mit starken Kräften zwischen
Maas und Mosel angriff.
Hierzu bot sich nicht nur die deutsche Keilstellung von St. Mihiel an,
die schon so oft angegriffen worden und trog ihrer Unverrückbarkeit in den Flonlen
verwundbar geblieben ist, sondern lockte auch die moralische Auswertung der ameri-
kanischen Waffenhilse, denn die erste aomerikanische Armee trite damit zum ersten-
mal selbständig auf den Plan ...
Die mir vorliegenden Meldungen sind lakonisch und vermeiden nähere An-
gaben, so daß auf die operativen Umstände noch nicht eingegangen werden kann,
doch ist anzunehmen, daß der Angriff die Abquetschung des Keils am Rupt
de Mad uod die Aufbrechung der deutschen Linien im Umkreis von Metz zum
Ziel hatte. Ein begrenzter Erfolg — also die Wegnahme der Keilstellung —
war bei entsprechender Häufung der Angriffsmittel an dieser Stelle heute leicht
zu erzielen. Die Deutschen haben den Salienten von Ste. Mihiel ohnehin schon
länger gehalten, als unbedingé erforderlich wor, nachdem sie im Februar 1916
den großen Belagerungsangriff auf Verdun einseitig von Norden aus unter-
nommen hatien. Wahrscheinlich war ihnen der Brückenkopf von St. Mihiel und
der Druck auf die Maasflanke so viel werk, daß man die verzwickte Stellung
nicht gern ausgab. Den Franzosen war der Keil sehr unangenehm, und es sei
daran erinnert, daß wir am 22. Februar 1918 ausdrücklich auf einen Aufsagtz
General de La Croix' aufmerksom machten, der im .. Temfsp'“ mit Nachdruck
auf den damals feisch von den Amerikanern besehten Abschnitt Pont.5= Monsson—
St. Mihiel hinwies und den bestimmten MWunich äußerte. den im franzssischen
Fleisch sigenden Dorn bald beseitige und die französsische Offensiostellung in der
Wocorc wiederbergestellt zu sehen. Das ist nun in gewissem Umfang geschehen,
und zwar als Teiloperation des Fochschen Angrifssfeldzuges, der damie
in eine neue Phase keritt.
Sonncag, 29. September 1918 (Sennecagsaußgabe).
Endlich! Endlich hat die Entscheidungsschlacht in der Champagne
begonnen, durch welche die große Offensive der Entente gekrönt oder im
Endzweck unterbunden wird.
Es ist die Durchbruchskraft ####cellence und als solche an das ideale
Schlachtseld geknüpft, auf dem Joffre mit richtigem Bick und sicherem Gefühl
schon im Februar 1915 zum Angriff auf die deuesche Webrstellung geschrieten ist.
Ohne Zweisel war die Armee v. Einem auf den Ansturm vorbereitek, den
wachsende Gefechtsztätigkeit seit langem angekündigt hatte. Da noch keine Einzel-
meldungen vorliegen, muß man sich darauf beschränken, festzustellen, daß die Fran-
zosen in die deueschen Stellungen eingedrungen sind, aber vermutlich nicht wesent-
lich über die Tiefenlinie der Dormoise hinausgelangt sind. CTrifft dies zu und
ändern Nachstöße das Bild nicht, so ist die Durchbrechung der deutschen Champagne.