10 Vorschläge zur Ernährung des deutschen Volkes in Krieg und Frieden.
man anzuwenden gedenkt, geht aus dem in der Gründungsversammlung
des genannten Verbandes gehaltenen Vortrage
des Geheimen Oberregierungsrats a. D. Oskar Simon
hervor. Dieser schildert die wahrhaft großartigen Leistungen
der städtischen Verwaltungen in der Weise, daß er behauptet,
es seien durch die „Übertragung des Ein= und Verkaufs an
die Kommunen nicht nur große Mengen von Lebensmitteln
verdorben, sondern auch durch die Aufkäufer der einzelnen
Gemeinden eine maßlose Preistreiberei und Spekulation entstanden“.
Er meint, der Großhandel würde die durch den
Krieg gestellten Aufgaben, hätte man sich auf eine Bekämpfung
der Auswüchse beschränkt, viel besser gelöst haben. Dann
wendet er sich „entschieden gegen jede Monopolisierung von
Nahrungs= und Genußmitteln“ und verlangt schließlich, daß
schon während des Krieges mit der Einleitung der Ubergangswirtschaft
begonnen werde, und der Verband sich bemühe,
die Wareneinfuhr wieder in die Hand zu bekommen.
Nun ist ja nicht zu bestreiten, daß, absolut genommen,
große Lebensmittelmengen verdorben sind. So sehr das zu
bedauern und mit Aufwand aller erdenklichen Sorgfalt zu
vermeiden ist, so wird doch jeder, der weiß, welche ungeheuren
Warenmengen die Gemeinden zu bewirtschaften haben und
dabei berücksichtigt, daß die Beamten sich erst in die völlig
ungewohnten Verhältnisse einarbeiten mußten, zu dem Ergebnis
kommen, daß die verdorbenen Lebensmittelmengen
im Vergleich zu denen, die auch dem Handel in friedlichen,
verkehrssicheren Zeiten verdarben, zu geringfügig ist, als daß
man sich immer wieder dieses Einwands gegen die öffentliche
Nahrungsmittelversorgung bedienen sollte. Das Argument
der „maßlosen Preistreiberei und Spekulation“ widerlegt am
besten die Frage, ob denn ohne behördlichen Eingriff sich
nicht viel schlimmere Zustände herausgebildet haben würden;
die ganz ungerechtfertigten Preise, die der Handel im Herbst
1916 für Fischwaren verlangte — sie beliefen sich auf das
mehrfache des üblichen Preises — zeigen, daß die reine Er-