sich. Auch das Landschaftsbild wird dadurch verschandelt, und
wo die Natur noch wildprächtig sich uns zeigt, wie an den
Zmatra-Stromschnellen, da entsteht ein Elektrizitätewerk und
zerstört den ganzen Zauber. Aber es hilft nichts. Wir werden
über kurz oder lang nur noch einige Naturschutzparks besitzen,
in die man wird gehen müssen, wenn man überhaupt noch
seinen Goethe verstehen will. Alles andere aber wird über-
drahtet, um elektrische Kraft, die schon heute von ihrem
Erzeugungsort aus 250 Kilometer weit geschickt werden kann,
bis in den kleinsten Weiler und bis zum letzten Flickschuster
hinzubringen. So meinen die Utopisten. Mag sein, daß sie
in ferner Zukunft Recht bekommen. Vorerst wird aber auch
das Reich auf unrentablen Kraftversand sich kaum ein-
lassen, also keinesfalls eine Leitung um Hunderttausende von
Mark bis zu dem einsamen Flickschuster bauen. Freilich die
Elektrisierung aller Eisenbahnen werden wir wohl noch er-
leben. Es ist ganz selbstverständlich, daß eine solche Ange-
legenheit vom Reiche in die Hand genommen wird, und die
Vorarbeiten zu der sogenannten „Sozialisierung der Elektrizi-
tätswirtschaft", die uns von der gegenwärtigen Regierung
als Neuestes-Allerneuestes angepriesen wird, liegen schon um
mehr als ein JZahrzehnt zurück.
Der Unabhängige Koenen hat ganz recht, wenn er in der
heutigen Debatte über das Gesetz erklärt, man solle doch,
wo es sich einfach um eine Art Monopol oder um eine Art
Verstaatlichung handle, nicht von Sozialisierung sprechen.
Oder — so fügen wir hinzu — wenn man das eine Soziali-
sierung nennt, so war schon Fürft Bismarck, der unser Eisen-
bahnwesen verstaatlichte, der größte Sozialist. Aur hat er
das in einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs getan,
während die heutige Regierung für ihre Pläne den aller-
ungünstigsten Zeitpunkt sich ausgesucht hat, wo es an „Draht“
für die Uberdrahtung fehlt. Daher findet sie unbedingtes
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