Full text : Deutsche Geschichte. Erster Band. (1)

226  9.  Lothar,  Konrad  Ill,  Friedrich  Barbarojfa.

dem  Blabe,  Doktoren  der  Suriitenfafultät  von  Bologna,  aus  der
Schule  des  großen  Lehrers  Srnerius,  der  nicht  lange  vor  Diefer
Beit,  unter  Heinrich  V,  dem  Studium  de  römischen,  juftinianischen,
faiferlichen  NechtS  einen  neuen  Auffchwung  gegeben  hatte  Die
Beichlüffe,  die  auf  Grund  diefer  Anschauungen  gefaßt  wurden
und  dem  SKaifer  reichlich  gaben,  was  de3  Kaifer®  war,  famen
vor  allem  dem  Failerlichen  Fiskus  zugute,  den  Friedrich  al3  Die
feine  Macht  fpeilende  Duelle  wohl  zu  jchägen  wußte  Und  ungefäumt
  ging  man  an  ihre  Durdjführung  durch  Beitellung  Faijerfiher
  Bodeltad  für  die  Städte.  Da  und  Dort  regte  fich  Wider-Itand,
  e3  handelte  fich,  auch  abgejehen  von  der  politilchen  Ceite,
um  nubbare  Nechte:  in  Mailand  brach  bei  der  eriten  Wahl  der
Magiftrate  nach  den  neuen  Beltimmungen  eine  Empörung  aus,  vor
der  Die  Falerlichen  Gejandten,  Nainald  und  Otto  von  Wittel3-bach,
  flüchten  mußten;  Crema,  wo  man  fich  der  gleichen  Ungebühr
  Jchuldig  gemacht  hatte,  wurde  nach  längerem  Widerftand
ım  Sanuar  1160  eingenommen  und  graufam  zeritört.  Die  firdhfihe
  Spannung  wurde  durch  diefe  Wendung  nur  verftärft.  Zwar
erreichten  die  roncaliichen  Beichlüffe  den  Bapft  nicht  unmittelbar,
ın  Nom  gehörten  die  Negalien  dem  heiligen  WBetrus  wie  zuvor:
aber  wohin  jollte  e8  kommen,  wenn  nad  ihren  Borausfegungen
dem  Kaifer  ein  unbefchränftes  Gefebgebungsrecht  zufam?

Im  September  1159  war  Hadrian  IV  geftorben.  &3  gab  eine
ziwielpältige  Wahl:  von  der  fiziliichen  Bartei  wurde  ein  eifriger  Gregorianer,
  der  den  Deutichen  von  Belancon  her  befannte  Roland  von
Siena,  Alerander  III,  gewählt,  von  der  failerlichen  ver  Kardinal
Dftavianus,  Viktor  IV.  Das  Recht  ın  der  Tat  war  zweifelhaft:
e3  war  eine  europäische  Frage:  man  juchte  das  Schigma  zu  bejeitigen.
Eine  auch  von  fremden  Gejandten  beichiefte  Verfammlung  zu  Baia,
Februar  1160,  erklärte  fich  für  Viktor,  und  die  Entjcheidung  wırrde
durch  ein  ARundjchreiben  den  Höfen  mitgeteilt,  Alerander  erfommuntziert.
  Diefer  ermwiderte  im  März  zu  Anagni  mit  der  Erfommunifation
  Friedrichs:  jo  war  der  große  Streit  auf  neue  entbrannt.
Allein  diesmal  hatte  der  Bapft  es  mit  einem  Herricher  von  feiter