Das Mittlere Staatswappen zeigt dasselbe Bild, nur kommt
in diesem Wappen der Baldachin nicht zur Anwendung.
Das Kleine Staatswappen wird nur vom Schilde mit der
aufruhenden Königskrone gebildet.
Das Grosse Staatswappen erscheint in dem Siegel des
Grossherzogs, das bei Staatsangelegenheiten in Verwendung
kommt. Das Mittlere Staatswappen wird von den Centralbehörden
(Ministerien, Oberkirchenrat, Gesandtschaft u. s. w.) benützt und
den Hofkünstlern, Hofhandwerkern und Hoflieferanten des Gross-
herzogs verliehen.
Das Mittlere Wappen darf von diesen auf Firmaschildern,
Etiketten, Briefbogen u. s. w. aber sicht auf Sicgeln und
Siegelmarken angebracht werden, ebensowenig auf den Geschäfts-
oder Wohnhäusern der in Mecklenburg-Schwerin ansässigen In-
haber obiger Hofprädikate. (In Mecklenburg-Strelitz ist letzteres
allgemein üblich.)
Das Kleine Staatswappen findet sich in den Siegeln der
Behörden zweiten Ranges, während die lokalen Behörden ein
einfacheres Wappen, den königlich gekrönten Schild mit dem
Stierkopf des ersten Feldes benützen.
Se. Königliche Hoheit, der Grosshereog von Mecklenburg,
Fürst zu Wenden, Schwerin und Ratzeburg, auch Graf zu
Schwerin, der Lande Rostock und Stargard Herr — führt seit
dem Jahre 1834 ausser dem bereits erwähnten Grossen Wappen
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für Seinen persönlichen Gebrauch eine eigene Wappenkomposition
(Fig. 63), die seinerzeit von Prof. Döpler in Berlin entworfen
wurde.
Die Gemahlin des Grossherzogs, /hre Kaiserliche Hoheit,
Anastasia Michailowna, Grossfürstin von Russland, führt im
Alliancewappen unter einer Königskrone die zu einander ge-
neigten Schilde von Mecklenburg und Russland, die Schilde je
umschlungen von den entsprechenden Ordensbändern, die unter
den Schilden maschenförmig durch die Ringe der Ordenskreuze
gezogen sind.
Das mecklenburgische Ordensband (wendische Krone) ist
blau mit schmalen rot-gelben Bordstreifen und trägt in Gold die
Ordensdevise. Das russische Ordensband (Katharinenorden) ist
hochrot mit silbernen Bordstreifen und trägt in silbernen Lettern
die Devise »Für Liebe und Vaterland«, selbstverständlich in
russischer Sprache und ebensolcher Schrift.
Das Wappen zu höchst eigenem Gebrauche steht unter dem
russischen Hermelinmantel, welcher aus der russischen Gross-
fürstenkrone herabfällt.
Se. Königl. Hoheit der Erbgrossherzog, sowie alle andern
apanagierten Glieder der kerzoglichen Familie führen das Mittlere
Staatswappen, aber ohne die Helme, ebenso deren Hoflieferanten.
Wir verdanken diese Notizen der Güte des Vorstandes des Gc-
heimen und Hauptarchives zu Schwerin, Herrn Archivrates Dr. Hiermann
Grotefend.
GROSSHERZOGTUM MECKLENBURG-STRELITZ.
Das Grossherzogtum bestcht aus zwei räumlich getrennten Gebieten, dem Herzogtum Strelitz und
dem Fürstentume Ratzeburg, nebst einigen kleinen Exklaven.
DD)“ Grosse Staatswappen (Fig. 64) von Mecklenburg-Strelitz
ist dem des Grossherzogtums . Mecklenburg-Schwerin sehr
ähnlich und unterscheidet sich derzeit von demselben nur durch
folgende Abweichungen:
a) Im Wappen des Fürstentums Ratzeburg sitzt die Krone
nicht direkt auf dem Kreuze, sondern schwebt oberhalb dcs-
selben.
b) Im Wappen der Herrschaft Stargard kommt der Arm
nicht unmittelbar aus dem Schildrande, sondern aus einer Wolke
hervor. Das Band erscheint am unteren Rande des Puffärmels.
c) Der Helm des Herzogtums Mecklenburg trägt nicht die
wendische, sondern eine gewöhnliche Helmkrone.
Die Tinkturen der Pfähle sind in anderer Reihenfolge ge-
ordnet, nämlich: schwarz-rot-gold-blau-silber. Hinter den Pfählen
liegt der Stierkopf allein.
d) der schildhaltende Stier zeigt nicht die Zunge, der Greif
trägt den Schweif zwischen die Beine geschlagen.
e) Ordenskette und Spruchband erscheinen in das Wappen
nicht aufgenommen.
f) Die Kuppel des Baldachins trägt nicht die für Mecklen-
burg-Schwerin charakteristische Ornamentierung, sondern ist
einfach nach der gewöhnlichen Schablone gehalten.
Se. Königl. Hoheit, der Grossherzog führt denselben Titel
wie der Grossherzog von Mecklenburg-Schwerin. Das persön-
liche Wappen zeigt einen kreisrunden Schild umlegt vom Garter
(Bande) des Hosenbandordens (siehe Taf. XIX, Fig. XI), unter
dem das Kreuz des Hausordens der wendischen Krone sichtbar
wird. Im Siegel des Grossherzogs tragen beide auf einem Orna-
mente stehenden Schildhalter, Stier und Greif, zwischen die Hinter-
füsse geschlungene Schwänze,
Die erste nachweisbare Wappenfigur eines mecklenburgi-
schen Fürsten ist der Greif im Siegel Heinrich Burwys I. (71227).
Auch dessen älterer Sohn, Heinrich Burwy Hl. Fürst zu Rostock
(+ 1226), führte dieselbe Figur, während der jüngere Sohn, Niko-
laus II. Fürst zu Mecklenburg (f1225) als Wappenfigur einen
mit einem Stirnreif geschmückten Stierkopf benützte, welcher