Full text : König Albert von Sachsen. Ein Lebensbild.

gogisches  Verständnis.  Beide  Eigenschaften  bewies  der  Prinz
auch  im  eigenen  Hause  durch  die  Wahl  des  Erziehers  für
seinen  Sohn  und  durch  die  diesem  gegebene  Instruktion.
Er  erkor  sich  Friedrich  Albert  von  Langenn,  einen  Protestanten,
  einen  damals  erst  37  jährigen  Mann,  nach  dem
alten  Satze,  daß  der  am  besten  die  Jugend  zu  leiten  berufen
ist,  der  ihr  die  Erfahrung  eines  Menschenalters  bei  noch
jugendlichem  Herzen  entgegenzutragen  imstande  ist.  Die
Laufbahn  dieses  werten  und  würdigen  Mannes  war  entsprechend
  seinen  Anlagen  und  seinem  Charakter  sehr  rasch
gewesen.  Am  26.  Januar  1798  zu  Merseburg  geboren,
hatte  er  mit  achtzehn  Jahren  das  Studium  der  Rechte  zu
Leipzig  begonnen  und  sich  1820  an  der  Universität  als
Privatdozent  habilitiert.  Schon  1822  aber  finden  wir  ihn
bei  dem  alten,  ehrwürdigen  Oberhofgericht  zu  Leipzig,  das
seine  Begründung  in  der  für  die  albertinischen  Staaten  gültigen
Form  dem  Stifter  der  albertinischen  Linie,  Albrecht  dem  Beherzten,
  verdankt,  nachdem  sich  dieser  1485  mit  seinem  Bruder
  Ernst  über  die  Teilung  der  Lande  auseinandergesetzt
hatte.  Obgleich  auf  der  Adelsbank  sitzend,  erwirkte  sich
Albert  von  Langenn  die  Vergünstigung,  auch  an  den
Arbeiten  des  Kollegiums  mit  den  bürgerlichen  Räten  teilnehmen
  zu  dürfen;  das  thaten  in  dieser  Zeit  der  noch  durch
Herkommen  und  Gesetz  geschiedenen  Stände  auch  andere  strebsame
  junge  Männer  vom  Adel,  die  gern  etwas  lernen  wollten.
Schon  1823  kam  von  Langenn  an  die  hböchste  damalige
Spruchbehörde  Sachsens,  an  das  Appellationsgericht  zu
Dresden,  trat  aber  1829  als  Hof=  und  Justizienrat  in  die
Landesregierung  über.  Nach  den  Unruhen  von  1830  wurde
er  mit  verschiedenen  außerordentlichen  Aufträgen  betraut,  war
dann  Mitglied  für  die  Organisation  der  Kommunalgarden
sowie  derjenigen  für  die  Entwerfung  eines  Ablösungsgesetzes
und  wurde  darnach  1831  als  provisorischer  Regierungskommissar
  nach  Leipzig  geschickt,  wo  er  für  die  Stelle  des
Kreisdirektors  bestimmt  war.

Ehe  er  aber  sein  Amt  antrat,  erreichte  ihn  der  Ruf  des
Prinzen  Johann.  Der  vom  12.  Januar  1835  datierte  Brief
lautete  folgendermaßen:  „Liebster  Langenn!  So  oft  schon  habe
ich  Ihre  Güte  als  Staatsdiener  in  Anspruch  genommen,  heute