Full text : König Albert von Sachsen. Ein Lebensbild.

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Mitgliedern  bestand  und  die  Beratung  aller  ihm  direkt  von
der  Krone  zugewiesenen  Angelegenheiten,  besonders  der  wichtigeren
  Gesetzesfragen  durchzuführen  hatte.  So  nahm  er  Anteil
  an  den  Schlußberatungen  über  die  neue  Gerichtsorganisation,
  die  schon  im  August  1855  zur  Anwendung  kam,  und
an  den  Vorarbeiten  zu  einem  bürgerlichen  Gesetzbuche  für
Sachsen,  das  freilich  erst  mit  dem  1.  März  1865  in  Kraft  trat.
Dem  Prinzen  zu  Ehren  ward  die  am  28.  Juni  1855  eröffnete
  Bahnlinie  Dresden-Tharandt  Albrechtsbahn  genannt;
die  Stadt  Dresden  erwählte  ihn  am  Vorabend  der  25jährigen
  Erinnerungsfeier  der  Einführung  der  allgemeinen
Städteordnung  am  30.  Mai  1857  zu  ihrem  Ehrenbürger.
Bald  darnach,  am  18.  Juli,  erfreute  ihn  der  Vater  durch
die  Ernennung  zum  Chef  des  1.  Reiterregiments.  Es  hatte
dieses  gerade  100  Jahre  zuvor  unter  der  Führung  des
Oberstleutnants  von  Benkendorf  im  Verein  mit  dem
Chevauxleger-Regiment  Prinz  Carl  durch  sein  schneidiges
Eingreifen  viel  zur  Gewinnung  des  Sieges  von  Kolin  über
Friedrich  den  Großen  beigetragen.  Es  führte  von  nun  an
den  Namen  1.  Reiterregiment  Kronprinz.

Bei  der  seit  Beendigung  des  Krimkrieges  ruhigen  Lage
der  europäischen  Verhältnisse  erschien  den  Kammern  die
durch  den  Kriegsminister  Rabenhorst,  den  wegen  seiner
Verdienste  im  Mai  1856  der  König  in  den  Adelstand  erhoben
  hatte,  der  Bestand  der  Armee  zu  groß,  und  die
Kammern  waren  bemüht,  allerhand  Abstriche  zu  machen.
Da  dröhnten  wie  ein  Kanonenschuß  die  drohenden  Worte
Napoleons  III.  allen  friedliebenden  Deutschen  in  die  Ohren,
die  er  bei  dem  Neujahrsempfange  1859  in  den  Turilerien
zu  dem  österreichischen  Gesandten  Baron  Hübner  geäußert
hatte.  Kaiser  Napoleon  war  gewillt,  die  italienische
Frage  aufzurollen  und  den  Bemühungen  Viktor  Emanuels,
Italien  zu  einigen,  Vorschub  und  Unterstützung  zu  leisten.
Osterreich  verstand  die  Sprache  und  rüstete  zum  Kriege,  der
mit  dem  Ubergang  über  den  Ticino  am  28.  April  seinen
Anfang  nahm.  Die  Bundesgenossenschaft  Napoleons  verhalf
den  Sardiniern  zu  den  Siegen  von  Magenta  (4.  Juni)  und
Solferino  (24.  Juni)  und  damit  zum  Besitze  der  bisher
österreichischen  Lombardei.  In  Deutschland  hatte  das  Vor-