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von Mainz. Zwischen beide schob sich Lothar, ihre Vereinigung hin-
dernd, und wußte die Böhmen zum Abzuge zu bewegen; sie marschierten
am 24. November ab und verwüsteten meilenweit das Land. Nun
meinte sich Wiprecht auch nicht länger halten zu können und wandte
sich zur Flucht. Lothar ließ ihn ziehen und ging erst an die Er-
oberung der Lausitz und ihrer Hauptveste Lebusa. Sie gelang ihm.
Ehe er dann den von Wiprecht noch immer aufrecht erhaltenen An-
spruch auf die Marken endgültig beseitigen konnte, war dieser mit Tod
abgegangen.
Wiprecht hatte sich nach Halle gewandt, wo ihm als Burggrafen
von Magdeburg die Vogtei über das Kloster zum Neuen Werk zustand.
Dort brach in einer Nacht in seinem Schlafzimmer Feuer aus; es
ergriff die Streu seines Lagers, und Wiprecht, erwachend und sich ohne
fremde Hilfe sehend, trat, halbnackt, das Feuer soweit aus, daß er
sich aus dem Gemach retten konnte. Die schweren Verletzungen aber,
die sich der mehr als Siebzigjährige dabei zugezogen hatte, ließen ihn
sein Haus beschicken und an das Ende denken. Er ließ sich nach
Pegau bringen in das von ihm gestiftete Kloster des heiligen Jakobus,
und dort legte er auf den Rat der benachbarten Bischöfe Arnold von
Merseburg, Richwin von Zeitz und Gotthold von Meißen Schwert und
Rüstung ab, um die Mönchskutte anzuziehen, in der er dann auch am
22. Mai 1124 sein thatenreiches Leben beschloß, ein Leben nicht nur
reich an Thaten, sondern auch reich an Wechselfällen und schroffen
Gegensätzen, ganz wie die Zeit, die ihn hervorgebracht hatte. Von
seinen Söhnen war Wiprecht wahrscheinlich schon 1116 gestorben.
Dem überlebenden Heinrich gelang es nicht, Lothar und Albrecht die
Marken Meißen und Lausitz zu entreißen. Er mußte sich mit der
Magdeburger Burggrafschaft und dem Bautzener Lande begnügen. Erst
als Albrecht sich im Jahre 1131 die Ungnade des nachmaligen Kaisers
Lothar zugezogen hatte, bekam er die Niederlausitz, die er nur fünf
Jahre inne hatte; er starb, ohne Erben zu hinterlassen, 1136 und mit
ihm erlosch des Slaven Wulf Geschlecht im Mannesstamme. Dem
seine an den Grafen Dedo von Wettin verheiratete Schwester Bertha
folgte ihrem 1124 verstorbenen Gemahl erst 1143 im Tode nach. Sie
war im Besitze des Stammschlosses Groitzsch geblieben und zugleich in
dem der Schlösser von Pegau und Zwickau. Sie vererbte diese Be-