— 107 —
Ordnung, den gesicherten und sich immer weiter ausdehnenden Handel
ein bedeutendes Ansehen und wurden in früher Zeit schon zu den
Berathungen der Fürsten und Stände herangezogen.
Einzelne Städte wollten sich vom Territorialherrn losmachen,
und eigene Landeshoheit gewinnend, unmittelbar unter der Reichs-
gewalt stehen.
So erwarb Zwickau, welches um 1118 von der Böhmischen
Krone an Gräfin Bertha von Groitzsch übergegangen war und nach
deren Tode an die Grafen von Wettin fiel (Konrad von Wettin
1127 bis 1156 Markgraf von Meißen), im Jahre 1290 die Reichs-
unmittelbarkeit. In dieser Eigenschaft einer Reichsdomänenstadt be-
hauptete sich Zwickau im Bunde mit Altenburg und Chemnitz jedoch
nur bis 1348, wo es nach mehrjähriger Verpfändung in den erblichen
Besitz des Markgrafen von Meißen, Friedrich des Ernsthaften, über-
ging. Chemnitz suchte lange Zeit hindurch sich der Oberherrschaft der
Dynasten von Waldenburg zu entziehen, welche die Herrschaft Raben-
stein und mit ihr die Gerichtsbarkeit über die Stadt besaßen. Von
1242 bis 1290 war es an die Markgrafen von Meißen verpfändet,
wurde sodann eine Reichsdomänenstadt und 1350 mit dem Pleißner
Lande von Friedrich dem Ernsthaften erworben.
Die Zahl der alten Städte auf dem Erzgebirge ist eine ganz
stattliche. Dohna, Dippoldiswalde, Frauenstein, Sayda, Wolkenstein,
Ehrenfriedersdorf, Grünhain, Schwarzenberg, Eibenstock, Freiberg,
Oederan, Zschopau, Chemnitz, Zwickau, Glauchau, Mittweida, Hainichen,
Nossen gehören unzweifelhaft zu denen, welche im 13. Jahrhundert
und früher schon bestanden.
Eine Anzahl von Städten ist auch im 14. und 15. Jahrhundert
gegründet worden.
Mit dem um 1470 am Fuße des Gleesberges erschlossenen
Silberbergbau begann die zweite Epoche des Bevölkerungszustromes
in die erzreichen Gegenden des oberen Gebirges und mit ihr die
Gründung zahlreicher Städte in bis dahin unwirthlichen, kaum be-
wohnten und bekannten Theilen des Gebirges. 1477 wurde die
Bergstadt Schneeberg, 1500 die Bergstadt Aue gegründet. Die um
1492 am Schreckenberge gewonnenen Silberanbrüche führten 1496
zur Erbauung von Neustadt am Schreckenberge, dem jetzigen Anna-
berg, und gleichzeitig zur Gründung von St. Katharinen am Buch-
holz, der jetzigen Stadt Buchholz, welche 1504 Stadtrechte erhielt.
Um 1500 wurden die Bergstädte Scheibenberg und Schlettau gegründet,
1526 Oberwiesenthal, 1532 Gottesgab, 1540 das Dorf Gißdorf,
unter dem Namen Josephstadt (das heutige Jöhstadt) zum Bergflecken
erhoben. Im Osten der Zschopau wurde 1521 die Bergstadt Marien-