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Das war ein Beweis von Friedrich Wilhelms Güte. Wohl
war in der neuen Wache kein Platz für Knapphansens Handel;
aber neben der Wache ließ ihm der König ein zierliches Häuschen
bauen. Dort lebte Knapphans zufrieden, bis der Tod den alten
Soldaten abrief.
303. Von Friedrich Wilhelm III. und der Königin
Luise. Von Karl Immermann.
1.
VA#m Sommer 1805 besuchten Friedrich Wilhelm III. und seine Gemahlin
die Stadt Magdeburg. Die Bewohner empfingen sie
aufs freudigste; Kopf an Kopf stand die Menge vor dem Gebäude,
wo die Majestäten abgestiegen waren; es schien unmöglich,
durchzudringen. Aber was wäre einem neugierigen Knaben
in solchem Falle unmöglich? Gehend und kriechend, schiebend und
geschoben, stoßend und gestoßen, arbeitete ich mich durch die Menschenmasse
und gelangte endlich glücklich an einen Ort, wo ich gerade der
großen Saaltür gegenüberstand, in der die Herrscher erscheinen
mußten. Da stand ich denn also an der schönsten Stelle.
1 Bald trat die Königin in die Saaltür. Ich erinnere mich ihres
Anzuges noch ganz deutlich. Sie trug einen grünseidenen Überrock
und war ohne Schmuck, einfach gekleidet. Das Volk begrüßte
sie jubelnd, Mützen und Hüte schwenkend. Sie verneigte sich mit
holdseliger Freundlichkeit nach allen Seiten. Nun wurde ich Zeuge
eines Auftritts, der wohl verdient, erzählt zu werden. Auf silbernem
Teller wurde ihr eine Tasse angeboten; sie nahm sie und
frühstückte. Ein Herr mit mehreren Sternen auf der Brust näherte
sich ihr aus dem Saale und schien zu warten, wann er ihr nach
beendetem Frühstück die Tasse abnehmen durfte. Plötzlich sah die
Königin empor, dann mit unglaublicher Freundlichkeit nach dem
Volke. Ihr Blick fiel auf ein Kind, das mit der Wärterin sich
unter den vordersten befand. Die Schönheit des Kindes und das
lange goldgelbe Lockenhaar des Kleinen gefielen ihr. Sie winkte erst
mit dem Finger; da aber niemand sie verstand, so schickte sie den
Diener. Dieser kam und befahl der Wärterin, ihm mit dem Kinde
zur Königin zu folgen. Die arme Person wurde blutrot, gehorchte
zitternden Schrittes und sah sich dabei um, als wollte sie sagen:
„Ich maße mir diese Ehre nicht an.“ Inzwischen wollte der Herr
mit den Sternen der Königin die Tasse abnehmen; sie wollte es
aber nicht, neigte sich zu dem Kinde, das unbefangen lächelte, faßte