Wer hinderte die Beschießung v. Paris? Herbeischaffung v. Geschütz. 127
Es fehlte uns aber, um den Angriff zu activiren, an dem
Befehl und an schwerem Belagerungsgeschütz, wie im Juli 1866
vor den Floridsdorfer Linien ). Die Beförderung desselben
hatte mit den Fortschritten unsres Heers nicht Schritt gehalten;
um sie zu bewirken, versagten unfre Eisenbahnmittel
an den Stellen, wo die Bahnen unterbrochen waren oder, wie
bei Lagny, ganz aufhörten.
Die schleunige Anfuhr von schwerem Geschütz und von der
Masse schwerer Munition, ohne welche die Beschießung nicht
begonnen werden durfte, hätte durch den vorhandnen Eisenbahnpark
jedenfalls schneller, als der Fall war, bewirkt werden
können. Es waren aber, wie Beamte mir meldeten, circa
1500 Axen mit Lebensmitteln für die Pariser beladen, um
ihnen schnell zu helfen, wenn sie sich ergeben würden, und diese
1500 Axen waren deshalb für Munitionstransport nicht verfügbar.
Der auf ihnen lagernde Speck wurde später von den
Parisern abgelehnt und nach meinem Abgange aus Frankreich
infolge der durch General v. Stosch in Ferrieres bei Sr. Majestät
veranlaßten Aenderung unfres Staatsvertrags über die Verpflegung
deutscher Truppen diesen überwiesen und mit Widerstreben
verbraucht wegen zu langer Lagerung.
Da die Beschießung nicht begonnen werden konnte, bevor
das für wirksame Durchführung ohne Unterbrechung erforderliche
Quantum Munition zur Hand war, so wurde in Ermanglung
von Bahn-Material nun eine erhebliche Anspannung
von Pserden und für diese ein Aufwand von Millionen ersorderlich.
Mir sind die Zweifel nicht verständlich, die darüber
obwalten konnten, ob diese Millionen verfügbar wären, sobald
das Bedürfniß für kriegerische Zwecke vorlag. Es erschien mir
als ein erheblicher Fortschritt, als Roon, schon nervös ausgerieben
und erschöpft, mir eines Tages mittheilte, daß man jetzt
1) S. o. S. 40.