Full text : Große deutsche Aufsatzschule für den Schul- und Selbstunterricht.

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Beisein  Kaiser  Wilhelms  I.  eingeweihte  Nationaldenkmal  zur  Erinnerung
  an  den  glorreichen  Krieg  von  1870/71  und  die  Wiederaufrichtung
  des  Deutschen  Reichs.  Weinreben  zieren  die  sonst
kahlen  Felsenabhänge.  Burgruinen  in  so  großer  Menge,  wie  sonst
an  keinem  andern  deutschen  Flusse,  schauen  ernst  von  den  Höhen,
die  hie  und  da  bewaldet  sind.  Am  rechten  Rheinufer  liegt  das
Städtchen  Kaub.  Hier  ging  der  alte  Blücher  in  der  Neujahrsnacht
1814  über  den  Rhein,  nachdem  Napoleon  in  der  Schlacht  bei
Leigzig  1813  geschlagen  worden  war.  Ein  schönes  Standbild  des
greisen  Feldmarschalls  bezeichnet  heute  diese  Stelle.  Weiter  stromabwärts
  engen  sich  die  Ujer  noch  mehr  ein,  der  Fluß  wird  schmaler,
und  schroff  türmen  sich  die  Felfen  am  Ufer  in  die  Höhe.  Da
kommt  uns  plötzlich  der  Loreleifelsen  zu  Gesicht.  Dieser  setzt  sich
dem  Strome  wie  ein  mächtiger  Damm  entgegen,  so  daß  letzterer
sich  wirbelnd  und  schäumend  bricht  und  einen  Strudel  bildet,  der
den  Schiffern  bisweilen  gefährlich  wird.  Die  Sage  erzählt,  daß
dieser  Felsen  von  einer  wunderbaren  Fee  bewohnt  sei,  die  so  bezaubernde
  Lieder  singe,  daß  die  Schiffer,  davon  ganz  hingerissen,
auf  den  Strudel  nicht  acht  haben,  der  ihr  Boot  erfasse  und  sie  in
den  Fluten  begrabe.  Da,  wo  die  Lahn  in  den  Rhein  mündet,
erhebt  sich  wahrhaft  königlich  und  stolz  auf  einem  Bergkegel  die
Burg  Stolzenfels  mit  ihren  Zinnen  und  Türmen.  Friedrich
Wilhelm  IV.  hat  die  bereits  verfallenen  Mauern  und  Gemächer
stattlich  wiederherstellen  lassen.

Coblenz  hat  eine  prachtvolle  Lage  am  Zusammenflusse  der
Mosel  mit  dem  Rheine.  Gegenüber  erhebt  sich  die  Feste  Ehrenbreitstein,
  die  mit  ihren  gewaltigen  Mauern  auf  einem  steilen
Felsen  liegt.  Ein  Stück  stromabwärts  beginnt  wieder  eine  der
anmutigsten  Gegenden  des  Rheines,  nämlich  das  Siebengebirge.
Wie  Kegel  erheben  sich  die  Bergeuppen  dicht  nebeneinander  am
östlichen  Ufer.  Aus  der  Ferne  sieht  man  ihrer  sieben;  daher  rührt
auch  der  Name,  obgleich  ihre  Zahl  sieben  übersteigt.  Nun  tritt
der  Rhein  für  immer  aus  den  Bergen  heraus.  Er  nimmt  von  hier
an  seinen  Lauf  durch  eine  weite  Ebene,  die  immer  flacher  und
gleichförmiger  wird.  Zunächst  fließt  er  an  der  freundlichen  Universitätsstadt
  Bonn  mit  ihren  Landhäusern  vorüber.  Reiche
Getreidefelder  und  Obstalleen  dehnen  sich  zu  beiden  Seiten  bis
nach  Cöln  hin  aus.

Cäsln  ist  die  größte  Stadt  der  Provinz.  Sie  ist  von  den
Römern  gegründet  und  die  wichtigste  aller  Kolonien  derselben  am
Rhein.  Im  Mittelalter  war  ihr  Reichtum  sprichwörtlich.  Vor
und  unter  der  Herrschaft  der  Franzosen  war  fie  aber  sehr  herunter-16“