Full text : Große deutsche Aufsatzschule für den Schul- und Selbstunterricht.

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die  deutsche  Nation  als  die  erste  und  mächtigste  der  Welt  dastand.
Und  die  Wiedervereinigung  der  deutschen  Bruderstämme  nach  so
langer  Trennung,  die  Wiederaufrichtung  eines  neuen,  starken
Deutschen  Reiches  ist  nicht  bloß  ein  ideales  Gut;  sie  ist  nicht  nur
geeignet,  unser  nationales  Selbstgefühl  zu  heben,  es  sind  auch  wirkliche
  Vorteile  damit  verbunden,  die  nur  ein  von  Parteileidenschaft
Verblendeter  verkennen  kann.  Oder  sind  die  Sicherheit  der  Grenzen,
das  Ansehen,  das  der  Deutsche  im  Auslande  genießt,  der  kräftige
Schutz,  der  allen  deutschen  Interessen  auch  in  der  weitesten  Ferne
gewährt  wird,  die  Einführung  eines  Heimatrechtes  im  ganzen
Vaterlande,  die  Einheit  der  Kriegsmacht  und  der  deutschen  Flotte,
die  Einheit  der  Maße,  Gewichte  und  Münzen,  die  Einheit  des
Strafrechtes  und  des  bürgerlichen  Rechtes,  sind  das  nicht  greifbare
Vorteile,  die  uns  das  Deutsche  Reich  gebracht  hat?

Um  uns  des  hohen  Wertes  der  wiederhergestellten  Einheit
Deutschlands  recht  bewußt  zu  werden,  brauchen  wir  nur  zurückzublicken
auf  die  Geschichte  der  letzten  Jahrhunderte.  Jedes  Blatt  derselben

eigt  uns  die  Zerrissenheit  und  Ohnmacht  unseres  Vaterlandes,
seltst  in  den  Zeiten,  wo  wir  die  kräftigsten  Regenten  an  der  Spitze
unseres  engeren  Vaterlandes  sehen,  zunächst  in  der  Zeit  des
Großen  Kurfürsten.  Wie  stand  es  vor  200  Jahren  mit  dem
Deutschen  Reiche,  in  jenen  Tagen,  als  der  übermütigste  Herrscher,
der  je  auf  französischem  Throne  gesessen,  als  Ludwig  XIV.  in
ebenso  frevelhafter  Weise  wie  in  unseren  Tagen  Napoleon  III.
Deutschland  den  Krieg  aufdrängte?  Seit  dem  verhängnisvollen
Westfälischen  Frieden  schalteten  die  einzelnen  Landesfürsten  als
sonveräne  Herren  in  ihren  Ländern;  von  einer  Heeresfolge  für
Kaiser  und  Reich  war  kaum  mehr  die  Rede;  ja,  den  einzelnen
Fürsten  war  ausdrücklich  das  Recht  zuerkannt,  mit  fremden  Fürften
Bünnnisse  zu  schließen,  wenn  auch  unter  der  Bedingung,  daß  diese
nicht  gegen  das  Deutsche  Reich  gerichtet  seien;  aber  trotz  dieser
Klausel  verbanden  sich  die  geistlichen  Fürsten  von  Cöln  und  Münster
und  andere  gegen  das  Reich  mit  dem  ländergierigen  Ludwig,  ihr
eigenes  Interesse  höher  stellend  als  das  des  Vaterlandes.  Wider
alles  Recht  rückt  Ludwig  plötzlich  in  deutsches  Gebiet  ein,  besetzt
Trier,  Kleve  und  andere  Orte  des  Rheinlandes  und  reißt  mehrere
Reichsstädte  im  Elfaß  an  sich.  Kaiser  Leopold  sieht  sich  durch  diese
freche  Verletzung  genötigt,  ihm  den  Krieg  zu  erklären.  Aber  dieser
Krieg  wird  bei  der  Unfähigkeit  und  Zweideutigkeit  der  kaiserlichen
Feldherren,  die  zum  Teil  den  Weisungen  des  an  Frankreich  verkauften
  Ministers  Lobkowitz  folgen,  unglücklich  genug  geführt.  Und
bei  der  Uneinigkeit  der  deutschen  Fürsten  würden  Frankreichs  Erfolge
noch  glänzender  geworden  sein,  hätten  nicht  der  tapfere  Ahnherr