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geheus des Prälaten‘).. War es das kurfürstliche Standesgefühl,
welches sich bei Albrecht regte und ihn warnte, mit dem Amtsgenossen
von Sachsen zu brechen? War sein Schritt ein Ausflufs
seines schwankenden furchtsamen Charakters und bestimmt, ihm,
wie auch die Verhältnisse sich gestalten möchten, auf jeden Fall
den Rücken zu decken? Oder handelte er zugleich im Namen oder
auf Veranlassung seiner Bundesgenossen; wollte man auf katholischer
Seite noch einmal versuchen, mit den Evangelischen Fühlung
zu gewinnen; hoffte man auf dieselben Eindruck zu machen,
indem man ihnen vielleicht auf der einen Seite nochmals die Gefahren
zeigte, die sie auf sich herabzubeschwören im Begriffe
ständen, auf der anderen Seite aber eine versöhnliche Gesinnung
und die Geneigtheit durchschimmern liels, die Reuigen aufs neue
als Brüder willkommen zu heifsen? Oder endlich, — spielte Albrecht
ein falsches Spiel? Gedachte er den Evangelischen ihre Geheimnisse
zu entlocken, um dieselben dann zu ihrem Schaden seinen
Verbündeten oder dem Erzherzog Ferdinand zu verraten??) Wir
wissen es nicht; jedenfalls aber fand keinerlei Annäherung zwischen
den beiden Parteien, oder auch nur zwischen Albrecht und Johann
von Sachsen in Folge dieser Begegnung statt; auf beiden Seiten
wurden nach wie vor die entgegengesetzten Ziele verfolgt. Eben
damals hatte Herzog Heinrich von Braunschweig seine Reise zum
Kaiser angetreten, den er veranlassen sollte, wider die Lutherischen
das Schwert zu zücken; die Verbündeten von Gotha aber nahmen
gleichzeitig die Erweiterung ihres Bundes bestimmter in Angriff.
Es war insbesondere die Nähe des Reichstages, welche die
Evangelischen anspornte, keine Zeit zu verlieren. Sie hatten, wie
wir sahen, schon zu Gotha eine Liste der Stände aufgesetzt, welche
sie für ihre Sache gewinnen zu können hofften; am liebsten hätten
sie noch vor dem Anfang des Reichstags diese Stände oder eine
sröfsere Zahl derselben zusammenberufen und sich mit denselben
zuvor ins Einvernehmen gesetzt; allein es war doch sehr zweifel-')
Am 11. März, noch aus Naumburg selbst, schreibt Johann an H. von
Mecklenburg, er sei jetzt.hier bei dem Kardinal gewesen, der sich etlicher
Sachen halben mit ihm besprochen habe, die Heinrich noch erfahren solle.
Letzteres läfst jedenfalls darauf schliefsen, dafs es nicht reine Privatangelegenheiten
der beiden Fürsten waren, über die sie sich unterredeten.
?) Dafs der hochgeborene Kirchenfürst sich in der That dem Erzherzog
zu Spionierdiensten hergegeben zu haben scheint, werden wir noch hören
(s. u. Kap. 3, bei Darlegung der pfälzischen Politik).