Full text : Historische Untersuchungen. Heft V. (5)

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geheus  des  Prälaten‘)..  War  es  das  kurfürstliche  Standesgefühl,
welches  sich  bei  Albrecht  regte  und  ihn  warnte,  mit  dem  Amtsgenossen
  von  Sachsen  zu  brechen?  War  sein  Schritt  ein  Ausflufs
seines  schwankenden  furchtsamen  Charakters  und  bestimmt,  ihm,
wie  auch  die  Verhältnisse  sich  gestalten  möchten,  auf  jeden  Fall
den  Rücken  zu  decken?  Oder  handelte  er  zugleich  im  Namen  oder
auf  Veranlassung  seiner  Bundesgenossen;  wollte  man  auf  katholischer
  Seite  noch  einmal  versuchen,  mit  den  Evangelischen  Fühlung
  zu  gewinnen;  hoffte  man  auf  dieselben  Eindruck  zu  machen,
indem  man  ihnen  vielleicht  auf  der  einen  Seite  nochmals  die  Gefahren
  zeigte,  die  sie  auf  sich  herabzubeschwören  im  Begriffe
ständen,  auf  der  anderen  Seite  aber  eine  versöhnliche  Gesinnung
und  die  Geneigtheit  durchschimmern  liels,  die  Reuigen  aufs  neue
als  Brüder  willkommen  zu  heifsen?  Oder  endlich,  —  spielte  Albrecht
ein  falsches  Spiel?  Gedachte  er  den  Evangelischen  ihre  Geheimnisse
  zu  entlocken,  um  dieselben  dann  zu  ihrem  Schaden  seinen
Verbündeten  oder  dem  Erzherzog  Ferdinand  zu  verraten??)  Wir
wissen  es  nicht;  jedenfalls  aber  fand  keinerlei  Annäherung  zwischen
den  beiden  Parteien,  oder  auch  nur  zwischen  Albrecht  und  Johann
von  Sachsen  in  Folge  dieser  Begegnung  statt;  auf  beiden  Seiten
wurden  nach  wie  vor  die  entgegengesetzten  Ziele  verfolgt.  Eben
damals  hatte  Herzog  Heinrich  von  Braunschweig  seine  Reise  zum
Kaiser  angetreten,  den  er  veranlassen  sollte,  wider  die  Lutherischen
das  Schwert  zu  zücken;  die  Verbündeten  von  Gotha  aber  nahmen
gleichzeitig  die  Erweiterung  ihres  Bundes  bestimmter  in  Angriff.

Es  war  insbesondere  die  Nähe  des  Reichstages,  welche  die
Evangelischen  anspornte,  keine  Zeit  zu  verlieren.  Sie  hatten,  wie
wir  sahen,  schon  zu  Gotha  eine  Liste  der  Stände  aufgesetzt,  welche
sie  für  ihre  Sache  gewinnen  zu  können  hofften;  am  liebsten  hätten
sie  noch  vor  dem  Anfang  des  Reichstags  diese  Stände  oder  eine
sröfsere  Zahl  derselben  zusammenberufen  und  sich  mit  denselben
zuvor  ins  Einvernehmen  gesetzt;  allein  es  war  doch  sehr  zweifel-')

  Am  11.  März,  noch  aus  Naumburg  selbst,  schreibt  Johann  an  H.  von
Mecklenburg,  er  sei  jetzt.hier  bei  dem  Kardinal  gewesen,  der  sich  etlicher
Sachen  halben  mit  ihm  besprochen  habe,  die  Heinrich  noch  erfahren  solle.
Letzteres  läfst  jedenfalls  darauf  schliefsen,  dafs  es  nicht  reine  Privatangelegenheiten
  der  beiden  Fürsten  waren,  über  die  sie  sich  unterredeten.

?)  Dafs  der  hochgeborene  Kirchenfürst  sich  in  der  That  dem  Erzherzog
zu  Spionierdiensten  hergegeben  zu  haben  scheint,  werden  wir  noch  hören
(s.  u.  Kap.  3,  bei  Darlegung  der  pfälzischen  Politik).