Nacht des 22. Novembers vor den Thoren von Stralsund, dem einzigen von
seinen Truppen noch besetzten Platz in Pommern. Unverzüglich nach dieser allerseits
unerwarteten Ankunft sendete er dem König von Preußen seinen freundlichen
Gruß, mit dem Wunsch, in gutem nachbarschaftlichen Einverständniß zu
leben; aber bald trübte sich dieses gute Vernehmen, da Friedrich Wilhelm I.
die Zurückerstattung der für Stettin gezahlten 400,000 Thaler verlangte, und
Karl XII. zu gleicher Zeit von dem mit den Verbündeten in Schwedt abgeschlossenen
Vertrage und der in demselben übernommenen Verpflichtung in Kenntniß
setzte, in keinen Angriff von Pommern aus gegen Sachsen und Polen
zu willigen. Dagegen bot er dem bedrängten Nachbar ansehnliche Summen zum
Belaufe von mehreren Millionen an, wenn er bis zur Rückerstattung Stettin
als Pfand behalten dürfte.
Auf einen Handel der Art wollte Karl jedoch nicht eingehen, obgleich er
nicht sogleich jegliche Unterhandlung abwies. Der Landgraf von Hessen-Kassel, dessen
Erbprinz sich damals mit der jüngern Schwester des Königs, Ulrike Eleonore,
verlobt hatte, erbot sich als Vermittler und Bürge für die verlangten 400,000
Thaler an. Karl selbst ließ verfichern, daß er an einen Einfall in Sachsen nicht
dächte, doch in allen diesen Anerbietungen konnte Friedrich Wilhelm I. keine
Befriedigung finden, da ihm der Besitz von Stettin ein zu kostbares Gut war,
als daß er es nicht um jeden Preis zu bewahren gesucht hätte. Deshalb bestand
er auch darauf, daß Karl XII. auch auf Polen von Pommern aus keinen
Angriff machen sollte, ein Verlangen, dem, wie er wohl wußte, sich der König
von Schweden nie fügen würde. So blieb denn nichts weiter, als die Entscheidung
durch die Waffen übrig. Beide rüsteten. Friedrich Wilhelm I. legte
ein Magazin für 15,000 Mann in Stettin an, und verstärkte die Besatzung
durch ununterbrochene Zuzüge trotz aller Einrede des Herzogs Administrators,
und seine Berufung auf die abgeschlossenen Verträge.
Karl XII., gemäßigter als je, da er wohl einsah, wie nachtheilig für
Schweden eine Theilnahme der Preußen an dem Kampfe gegen ihn sein müßte,
ließ für den Augenblick sogar die Bestimmungen des Schwedter Vertrages
gelten, wies aber desto entschiedener Alles zurück, was über denselben hinausging.
Demnach verlangte er, daß die preußische Besatzung Wolgast räumen
sollte, weil dasselbe, jenseits der Peene, nicht zu dem in dem Seguester bezeichneten
Gebiete gehöre. Die kleine preußische Besatzung mußte den Ort räumen,
als überlegene Truppenmassen vor demselben erschienen, die jedoch den Befehl
hatten, wo möglich alle Feindseligkeiten zu vermeiden. Mit Mühe gelang es
dem französischen Gesandten, noch einmal zu vermitteln. Unterdessen vermehrte
Friedrich Wilhelm I. die Besatzung der Insel Wollin durch sächsische und preußische
Truppen bis auf 13,000 Mann und ließ starke Verschanzungen errichten.
Man durfte es Karl XII. nicht verdenken, daß er nicht die Hände in den
Schooß legte, während ihn von allen Seiten Truppen und Verschanzungen einengten.
Es konnte nur als nothwendige Selbstvertheidigung erscheinen, wenn