Metadaten : Der Mündliche Vortrag. Zweiter Teil. Die richtige Betonung und die Rhythmik der deutschen Sprache. (2)

Das  Adjektivum.  5

§  25.  Die  Toneinheit  des  Adjektivs  mit  dem  Substantiv
geht  durch  die  Stellung  des  Adjektivs  hinter  dem  Substantiv
verloren,  wie  der  vorige  §  gezeigt  hat.  Diese  Toneinheit  erleidet
auch  eine  Veränderung,  wenn  mehrere  Adjektive  zu  einem  Substantiv
  treten.  —  Mehrere  Adjektive  sollten  eigentlich  durch  die
Konjunktion  „und“  verbunden  werden.  —  Z.  B.  „Ein  junger
und  gewandter  Mann“.  Allein  gewöhnlich  läßt  man  die  Konjunktion
  weg  und  die  Grammatik  setzt  dann  an  deren  Stelle
ein  Komma.  Ein  junger,  gewandter  Mann."“  Dieses  Komma
kröt  die  Toneinheit  anf  der  Redefluß  (die  Kontinuität)  wird.

urch  dasselbe  unterbrochen,  es  erfolgt  ein  leichtes  Absetzen,  das
vor  dem  Komma  stehende  Adjektiv  tönt  vollkommen  aus,  ohne
sich  an  das  folgende  unmittelbar  anzuschließen.  Das  dem  Substantiv
  zunächst  stehende  Adjektiv  bleibt  in  der  Toneinheit  mit
demselben.  Alles  das  gilt  auch,  wenn  drei  oder  mehr  Adjektive
  zusammenkommen.

Das  Beachten  des  Absetzens  bei  dem  Komma  ist  eine  sehr
wichtige  Regel  bei  der  Betonung.  —

ie  aufeinanderfolgenden  Adjektive  müssen  nicht  nur  in
gleicher  Tonstärke  gehalten,  sie  müssen  sogar  mit  einer  leichten
Steigerung,  mit  einem  ganz  leichten  Anwachsen  der  Tonstärke
ausgesprochen  werden,  ohne  daß  dieses  Anwachsen  oder  Anschwellen
jedoch  zu  einem  förmlichen  Hervorheben  sich  steigert.  Auch  das
ist  wichtig  und  diese  leichte  Steigerung  muß  sehr
wohl  beachtet  werden,  denn  es  ist  eine  vielfach  vorkommende
üble  Angewohnheit  bei  mehreren  Adjektiven  die  folgenden  nachzuschleppen,
  sie  fallen  zu  lassen.

Steht  eine  Reihe  von  Adjektiven  in  prädikativem  Verhältnis,
so  finden  auf  sie  dieselben  Regeln  Anwendung.  Z.  B.  „Der  Mann
ist  jung  liebenswürdig,  angenehm“.

ie  wichtig  diese  Regel  ist,  geht  schon  daraus  hervor,  daß
die  Stilistik  eine  ähnliche  Steigerung  vorschreibt.  Sie  verlangt,
daß  entweder  die  bedeutungsvolleren  Adjektive  am  Schlusse  stehen,
daß  man  also  von  den  schwächeren  zu  den  stärkeren  übergehe;
oder  sind  die  Attribute  von  gleichem  Werte,  so  verlangt  sie,
daß  die  silbenreichsten,  also  die  vollsttönenden,  zuletzt  kommen.
Es  würde  also  schlecht  stilisiert  sein,  wollte  man  sagen:  „der
Mann  ist  liebenswürdig,  lebenslustig,  jung“,  man  muß  setzen:
„der  Mann  ist  jung,  lebenslustig,  liebenswürdig“.

Längere  oder  silbenreichere  Wörter  fallen  überhaupt  mehr  in
das  Ohr,  als  solche  mit  einer  oder  wenigen  Silben.  Man  muß
sich  in  dieser  Beziehung  vor  einer  Täuschung  des  Ohres  hüten.

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