Viertes Buch.
Heinrichs Abfall und Sturz.
1174—1182.
Erstes Kapitel.
Der Bruch.
1174 Abermals drang ein deutsches Heer von den Alpen in die reichen Gefilde
Anfang Lombardiens hinab. Dieses Mal, meinte der Kaiser wohl, könnte der Sieg
Sept.“) ihm noch weniger entgehen, als auf seinen früheren Zügen, und hoffentlich
werde keine Pest ihm die sicheren Früchte wieder entreißen. In der Tat, der
Beginn des Kampfes genügte auch den kühnsten Erwartungen. In kurzer
Zeit wurde Susa erobert und wegen des Mordanschlages, den die Bürger
Anfang im Jahre 1168 gegen den Kaiser gemacht, gänzlich zerstört"““). Darauf fiel
Oktober nach nur achttägiger Belagerung Asti, bisher eines der entschiedensten Mit--itte
glieder des Lombardenbundes und jetzt von zahlreichen mailändischen und
Oktober brescianischen Hilfstruppen besetzt. Turin und mehrere kleine Ortschaften
in der Nähe ergaben sich ohne Widerstand dem Kaiser'““), dessen Macht unwiderstehlich
zu sein schien. Wie nun Friedrich schon an einer Stadt, die ihm
persönlich so feindselig und kränkend begegnet war, schreckliche Rache genommen,
so beabsichtigte er wiederum, sein Schwert gegen die Mauern zukehren,
die ihm selbst zum Trotze von den Lombarden errichtet waren#), gegen die
Mauern von Alessandria.
Aber an den von dem Tanaro und der Burmia auf drei Seiten umflossenen
Wällen dieser Stadt, noch mehr aber an der glühenden Freiheitsliebe und dem
eisenfesten Mute ihrer Bürger sollte der so viel verheißende Siegeslauf sich
bald brechen. In kühnen Ausfällen zerstörten die Alessandrier die feindlichen
) Ann. Ratisponenses, M. G. Ss. XVII, p. 589. — Ann. Magdeb., p. 193.
###)Annales Mediclanenses, M. G. Ss. XVIII, p. 377. — Annales Placentini Gibellini
ibid., p. 462. — Annales Mediolanenses Minores ibid., p. 395.
½% Cardinalis Aragoniae Vitae Pontificum Romanorum ap. Muratori, Scriptores
rerum Italicarum III. 2. p. 463. — Romualdi Salernitani Chron., p. 410. —
Anmales Placentini Guelfi M. G. Ss. XVIII, p. 413. — An. Placent. Gib. l. c.
1) S. 376.