Full text : Bilder aus der letzten Kaiserzeit.

VI.  Kanzler  und  Großadmiral.

Das  Scheitern  einer  Verständigung  in  der  Flottenfrage.
112.

Schon  Ende  August  1911,  also  bei  steigender  Fluk  der
Enkrüstung  gegen  die  Rede  Lloyd  Georges,  hatte  der  Kaiser
in  seinem  Dank  für  Ovationen  der  Hamburger  Bürgerschaft
  die  Aufforderung  hinzugefügk,  auch  fürderhin  für  die
Verstärkung  der  Flotte  zu  wirken.  Seit  Oktober  1911
suchte  Herr  v.  Tirpitz  den  Kanzler  zu  bewegen,  alsbald,  das
heißt  noch  vor  dem  Schluß  der  Legislaturperiode,  eine
Flottennovelle  einzubringen.  Er  war  der  Ansicht,  daß
Deutschland  in  der  Agadirangelegenheit  eine  Abfuhr  erlitten
hätte  und  daß  ein  Staat,  dessen  Wohlfahrt  auf  Macht  und
Prestige  beruhe,  nicht  die  erhaltne  Ohrfeige"  einstecken
dürfe,  sondern  zeigen  müsse,  daß  er  sich  nicht  fürchte.  Auch
meinte  er,  daß  die  von  ihm  erwogne  Novelle  nicht  auf  eine
eigentliche  Vermehrung  der  Flotte,  sondern  auf  eine  Erhöhung
  ihrer  Kampfbereitschaft  ginge  („Erinnerungen“
S.  182):  Ein  Spiel  mit  Worten,  da  doch  die  Movelle  eine
lberschreitung  des  Flottengesetzes  um  drei  große  Schiffe
enthielt  und  außerdem  schon  bald  nach  der  Novelle  von
1908,  also  vor  dem  durch  die  Rede  Lloyd  Georges  vermeintlich
  erlittnen  Echec,  erwogen  worden  war.  Darin  aber

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