Full text : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Erster Band. (1)

sie  die  Sambre  bereits  überschritten  hatten,  über  den  Fluß  zurückgewerfen
und  die  Üoergänge  erzwungen.  Zugleich  erfuhr  Lanrezac,  daß  zu  seiner  Linken
die  Engländer  geschlagen  seien,  seinc  rechte  Flanke  aber  ebenfalle  entblößt  sei,
da  seine  Seitendeckung  den  Ubergang  der  Heutschen  über  die  Maas  nicht  länger
babe  bindern  können.  Nun  war  keln  Halten  mehr.  Die  5.  Armee  trat  den  Rückzug
  an,  der  slch  bald  in  eine  Flucht  verwandelte.  Sie  wälzte  sich  südwärts  in
der  Richtung  auf  Chimap.  Dae  war  höchste  Zelt  gewesen  —  und  vom  deutschen
Standpunkt  gesehen,  hätte  ee  nie  dazu  kommen  dürfen.  Die  Lage  der  Armeen
Freuch  und  Lanrezac  hatte  den  Deutschen  Gelegenheit  zu  elnem  vernichtenden
Schlage  geboten  —  so  günstig,  wie  sie  lm  ganzen  Felbzug  nicht  wieder  vorgekommen
  ist.  Aber  der  Schlag  war  nicht  gefallen.
(2.

Sowohl  Lanrezac  wie  French  hatten  sich  viel  zu  weit  vorgewagt.  Da  die
Deutschen  bereits  am  20.  August  in  der  Linle  Brüssel-Namur-Longwy  standen,
bätten  die  belden  Armeen  über  die  Linie  Givet-Maubeuge  niept  mehr  hlnauegeben
  dürfen,  sondern  den  Anschluß  nach  rechte  an  die  4.  Armee  suchen  müssen,
von  der  sie  durch  Maas  und  Ardennen  getrennt  waren.  Nachdem  aber  Lanrezac
sich  einmal  mit  schwach  gesichertem  rechten  Flügel  vor  der  Front  der  vormarschierenden
  J.  deutschen  Armee  vorbel  bis  an  die  Sambre  herangezogen  hatte,
bätte  er  dem  Schicksal  der  Vernlchtung  nlemale  entgehen  dürfen.

Zwischen  dem  rechten  Flügel  Lanrezacs,  der  westlich  Namur  an  der  Sambre
bei  Auvelole  stand,  und  dem  linken  Flügel  der  4.  Armee,  der  eben  erst  das  Waldgebirge
  der  Ardennen  binter  sich  hatte  und  bis  Gedinne  westlich  von  Fumay
vorgekommen  war,  klaffte  eine  Lücke  von  60  Kilometern.  Oie  Mitte  dleser
Lücke  länge  des  Laufe  der  Maas  war  allerdings  mit  weit  auselnandergezogenen
Divisionen  in  auegezelchneter,  fast  unangrelfbarer  Stellung  besetzt.  Und  gerade
auf  dlesen  Abschultt  stürzte  sich  die  3.  Armee  des  Generale  von  Hausen,  um
zunächst  die  alte  Felsenfeste  bei  Dinant  zu  bezwingen,  dann  angesichte  des
Feindes  die  Maas  zu  überschrelten  und  schließlich  noch  die  steilen  Höhenränder
des  Westufers  zu  erstürmen!  Sie  hätte  sich  mit  elner  Demonstratlon  vor  dem
zwar  schwach  verteidlgten,  aber  durch  die  Gunst  dee  Geländes  nahezu  unangreifbaren
  Maasabschnitt  von  Auvelais  bie  Fumay  begnügen  und  währenddessen
  mit  ihren  Hauptkräften  südwärts  weiterrücken  müssen.  Sle  wäre
dann  In  die  völlig  unverteldlgte  Lücke  zuoolschen  Fumay  und  Gedinne  binelnmarschlert
  und  hätte  ohne  Schwertstreich  der  Armee  Lanrezac  und  zugleich  der
4.  Armee  dle  Kückzugelinie  abgewinnen  können.  Ware  vollende  die  Uberflügelung
  Frenchs  durch  Kluck  in  vollem  Umfange  gelungen,  dann  bätte  den  Engländern
  und  der  französlschen  5.  Armee  in  dem  Winkel  zwischen  Canal,  Sambre
und  Maas  ein  „Cannas“  ohnegleichen  bereltet  werden  können

Der  Vorwurf  trifft  hler  nicht  die  Führer  der  Armeen,  welche  naturgemäß
die  Verhältulsse  nur  so  weit  übersehen  konnten,  als  ihre  eigene  Aufklärung
reichte.  Hier  hätte  dle  O.  H.L.,  bei  der  sämtliche  Meldungen  zusammenllefen,
die  Marschrichtung  und  dle  Kampfbondlung  der  einzelnen  Armeen  in  Einklang
bringen  und  in  einen  großen  strotegischen  Zusammenbang  elngliedern  imüssen.
Aber  wo  war  die  O.  H.  L.7  Sie  saß  in  —  Koblenz.

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