sie die Sambre bereits überschritten hatten, über den Fluß zurückgewerfen
und die Üoergänge erzwungen. Zugleich erfuhr Lanrezac, daß zu seiner Linken
die Engländer geschlagen seien, seinc rechte Flanke aber ebenfalle entblößt sei,
da seine Seitendeckung den Ubergang der Heutschen über die Maas nicht länger
babe bindern können. Nun war keln Halten mehr. Die 5. Armee trat den Rückzug
an, der slch bald in eine Flucht verwandelte. Sie wälzte sich südwärts in
der Richtung auf Chimap. Dae war höchste Zelt gewesen — und vom deutschen
Standpunkt gesehen, hätte ee nie dazu kommen dürfen. Die Lage der Armeen
Freuch und Lanrezac hatte den Deutschen Gelegenheit zu elnem vernichtenden
Schlage geboten — so günstig, wie sie lm ganzen Felbzug nicht wieder vorgekommen
ist. Aber der Schlag war nicht gefallen.
(2.
Sowohl Lanrezac wie French hatten sich viel zu weit vorgewagt. Da die
Deutschen bereits am 20. August in der Linle Brüssel-Namur-Longwy standen,
bätten die belden Armeen über die Linie Givet-Maubeuge niept mehr hlnauegeben
dürfen, sondern den Anschluß nach rechte an die 4. Armee suchen müssen,
von der sie durch Maas und Ardennen getrennt waren. Nachdem aber Lanrezac
sich einmal mit schwach gesichertem rechten Flügel vor der Front der vormarschierenden
J. deutschen Armee vorbel bis an die Sambre herangezogen hatte,
bätte er dem Schicksal der Vernlchtung nlemale entgehen dürfen.
Zwischen dem rechten Flügel Lanrezacs, der westlich Namur an der Sambre
bei Auvelole stand, und dem linken Flügel der 4. Armee, der eben erst das Waldgebirge
der Ardennen binter sich hatte und bis Gedinne westlich von Fumay
vorgekommen war, klaffte eine Lücke von 60 Kilometern. Oie Mitte dleser
Lücke länge des Laufe der Maas war allerdings mit weit auselnandergezogenen
Divisionen in auegezelchneter, fast unangrelfbarer Stellung besetzt. Und gerade
auf dlesen Abschultt stürzte sich die 3. Armee des Generale von Hausen, um
zunächst die alte Felsenfeste bei Dinant zu bezwingen, dann angesichte des
Feindes die Maas zu überschrelten und schließlich noch die steilen Höhenränder
des Westufers zu erstürmen! Sie hätte sich mit elner Demonstratlon vor dem
zwar schwach verteidlgten, aber durch die Gunst dee Geländes nahezu unangreifbaren
Maasabschnitt von Auvelais bie Fumay begnügen und währenddessen
mit ihren Hauptkräften südwärts weiterrücken müssen. Sle wäre
dann In die völlig unverteldlgte Lücke zuoolschen Fumay und Gedinne binelnmarschlert
und hätte ohne Schwertstreich der Armee Lanrezac und zugleich der
4. Armee dle Kückzugelinie abgewinnen können. Ware vollende die Uberflügelung
Frenchs durch Kluck in vollem Umfange gelungen, dann bätte den Engländern
und der französlschen 5. Armee in dem Winkel zwischen Canal, Sambre
und Maas ein „Cannas“ ohnegleichen bereltet werden können
Der Vorwurf trifft hler nicht die Führer der Armeen, welche naturgemäß
die Verhältulsse nur so weit übersehen konnten, als ihre eigene Aufklärung
reichte. Hier hätte dle O. H.L., bei der sämtliche Meldungen zusammenllefen,
die Marschrichtung und dle Kampfbondlung der einzelnen Armeen in Einklang
bringen und in einen großen strotegischen Zusammenbang elngliedern imüssen.
Aber wo war die O. H. L.7 Sie saß in — Koblenz.
84