Full text : Ereignisse und Gestalten 1878-1918

coming  of  yours.“*)  Das  ist  trotzdem  geschehen  und  noch  dazu
recht  schnell.

Nachdem  die  Königin  in  meinen  Armen  sanft  hinübergeschlummert,
  war  für  mich  der  Vorhang  über  viele  Jugenderinnerungen  gefallen.
  Ihr  Tod  bedeutete  einen  Abschnitt  in  der  englischen  Geschichte
und  in  Englands  Beziehungen  zu  Deutschland.  Ich  nahm  nun,
soweit  als  angängig,  Fühlung  mit  den  maßgebenden  Persönlichkeiten
und  erkannte  überall  eine  durchaus  sympathische,  freundschaftliche
Stimmung,  die  kein  Hehl  aus  dem  Wunsch  nach  guten  Beziehungen
mit  Deutschland  machte.  Beim  Abschiedsbankett  wurden  von  König
Eduard  VII.  und  mir  unvorbereitete,  in  Ton  und  Inhalt  herzliche
Reden  gehalten,  die  auf  die  Zuhörer  ihren  Eindruck  nicht  verfehlten.
Nach  der  Tafel  drückte  der  englische  Botschafter  in  Berlin  mir  die
Hand  und  sagte:  Meine  Rede  sei  allen  seinen  Landsleuten  zu  Herzen
gegangen,  denn  die  Worte  seien  aufrichtig  und  schlicht  gewesen,  wie
sie  sich  für  die  Engländer  eigneten.  Die  Rede  müsse  sofort  veröffentlicht
  werden,  denn  sie  werde  im  ganzen  Lande,  das  mein  Kommen
dankbar  empfinde,  Widerhall  erwecken.  Das  werde  für  die  Beziehungen
beider  Länder  von  Nutzen  sein.  Ich  erwiderte,  es  sei  Sache  der
britischen  Regierung  und  des  Königs,  darüber  zu  entscheiden,  ich
persönlich  hätte  nichts  gegen  eine  Veröffentlichung  einzuwenden.  Diese
ist  jedoch  nicht  erfolgt.  Das  britische  Volk  hat  meine  Worte,  die  der
aufrichtige  Ausdruck  meiner  Gefühle  und  Gedanken  waren,  nie  erfahren.
  In  einem  späteren  Gespräch  mit  mir  in  Berlin  hat  derselbe
  Botschafter  das  lebhaft  beklagt,  ohne  den  Grund  des  Unterbleibens
  angeben  zu  können.

Am  Schlusse  dieser  Betrachtungen  über  meinen  Aufenthalt  in
England  darf  die  Tatsache  nicht  unerwähnt  gelassen  werden,  daß  ein
Teil  der  deutschen  Presse  es  leider  an  taktvoller  Würdigung  sowohl

*)  „Das  ist  es,  was  sie  alle  hier  denken,  jeder  im  Volk,  man  wird  es  Dir
niemals  vergessen,  daß  Du  gekommen  bist.“

 

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