14 Die Ausbildung der Stimme.
bei dieser Andeutung bleiben, es darf nie bis zur wirklichen
Nachahmung steigen. Wollte man im ernsten Vortrage eine
Frauenstimme mittels des Sprechens durch die Fistel wirklich
nachahmen, so würde der Eindruck ein widerwärtiger sein.
Wirkliche Nachahmung fremder Stimmen ist dagegen im
Vortrage von komischen Sachen nicht nur gestattet, sondern
auch von höchster Wirkung. Diese Art der Nachahmung streift
aber schon in das Gebiet der Darstellung, also in die Kunst
des Schauspielers, und muß hier unerörtert bleiben.
Das bloße Andeuten fremder Stimmen erreicht man durch
zwei Mittel, 1) durch verschiedene Schattierung in der Höhe
und Tiefe der Stimme, 2) durch Anwendung der Tonfarben.
Die natürliche Klangfarbe der Stimme hat zwar immer
eine bestimmte Höhe der Stimme, allein von dieser aus hebt
und senkt sie sich um einige Töne. Wie früher dargethan ist ja
das Heben und Senken der Stimme das Mittel die Sätze zu
betonen. Die natürliche Höhe der Stimme nun zu verändern
und etwas tiefer oder höher zu sprechen ist nicht schwer. Nament-
lich ist es nicht schwer nach der Höhe zu um mehrere Töne zu
schattieren. Mit etwas Ubung ist es leicht in dieser Beziehung
den natürlichen Sprachton zu ändern — und festzuhalten.
Nur muß man entschieden eine zu hohe Schattierung ver-
meiden, diese führt schon zum Nachahmen, was ja eben nur im
Komischen gestattet ist.
Das zweite Erfordernis der Biegsamkeit der Stimme ist die
Fähigkeit der Steigerung. Diese Eigenschaft hängt mit der der
Kraft zusammen. Man muß im stande sein vom leisesten Tone an
bis zur höchsten Kraft des Tones seine Stimme zu steigern. Die
Art der Ubungen dafür ergiebt sich von selbst, man braucht eben
nur von leise anfangend immer lauter und lauter zu sprechen.
Dabei ist zweierlei zu bemerken. Bei dem Leisesprechen
ist die höchste Sorgfalt auf die Deutlichkeit zu wenden. Man
muß mit der kräftigsten, entschiedensten Bewegung der Sprach-
werkzeuge die Konsonanten so scharf, die Vokale so rein als
möglich aussprechen. Thut man dies, so ist das leiseste
Sprechen, selbst Geflüster in großem Raume verständlich.
Bei der Anwendung der höchsten Kraft der Stimme muß
man genau die Grenzen seiner Kraft kennen. Nur zu leicht wird
der Redner durch eigne Aufregung über diese Grenzen hinaus-
gerissen. Die zu beobachtende Grenze ist eine doppelte, die der
körperlichen Erschöpfung und die der Schönheit. Bei der An-
wendung der höchsten Kraft der Stimme tritt Erschöpfung sehr