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Atmosphäre eines gesunden und farbigen Volks—
lebens, eines unbewußten Schönheitssinnes im
Volke, wie er sich z. B. in den einzig schönen
Bauernhäusern des bayerischen Gebirges und
der Vorberge ausspricht, einer zwanglosen und
nicht durch allzu starre Standesunterschiede ein—
geschnürten Geselligkeit. Auf unsere Feste darf
man das Wort des Dichters anwenden, daß die
Zauber der Freude wieder binden, was die Mode
streng geteilt. In dem gemütlichen München, sagt
Knapp, haben die Berufe das Schöne, daß sie
ihren Trägern nicht das Mark aussaugen. „Ein
festlich heiteres Volk“ hat Treitschke die Bayern
genannt und ein solches wird in der Kunstpflege
vor den arbeitsameren und ernsteren, aber pro—
saischeren Stämmen des Nordens immer viel
voraus haben. Dazu kommt die engere Fühlung
Münchens mit Italien, dem ewigen Lande der
Kunst. 1830 schrieb Montgelas: München ist
ein wahrer Leichnam, bedeckt mit einem Tuche
von Goldbrokat, der, ohne selbst fetter zu werden,
die Kräfte der Provinzen aufsaugt. Jetzt lächeln
wir darüber, nicht nur wegen der kühnen Schief—
heit des Bildes. Wir lächeln ebenso über die
Prophezeiung Lewalds von 1835, daß es zur