Metadata : Kumbuke. Erlebnisse eines Arztes in Deutsch-Ostafrika.

z56  Der  letzte  Alkohol  —  Nächtliche  Panik

Endlich  ruhten  wir  einen  Augenblick  im  Galeriewald  aus.  Alle
waren  überanstrengt,  ausgedurstet,  marode.  Bops  der  Batterie
Sternheim  kochten  Raffee,  bei  dessen  würzigem  Geruch  die  vom
übermüdeten  Körper  ungünstig  beeinflußte  Seele  sofort  wieder
bereit  wurde,  Konzessionen  zu  machen.  Wir  stillten  den  unglaublichen
  Durst  und  sahen  mit  Gier  auf  die  frischen  Maiskolben,
welche  fremde  Boys  in  das  kochende  Wasser  steckten,  nachdem  sie
die  zarten  Schutzhüllen  abgerissen.  „Auf,  marsch!“  Wir  bekamen
keinen  Mais  mehr.  »

Unser  Führer,  der  uns  losgeschickt,  kam  wütenden  Gesichtes
angesprengt  und  schimpfte,  wir  seien  zu  weit  zurückgegangen.  So
rasten  wir  denn  in  einer  mächtigen  roten  Staubwolke  nach  Farm
Panziger  zurück,  deren  steinernes  Wohnhaus  oben  auf  einem
Sügelkegel  einige  hundert  Meter  vom  Flusse  entfernt  stand.  Weiß
blinkte  das  Saus  auf  seiner  beherrschenden  Fernsicht.  Das  Dach
aber  ragte  weit  und  rot.

Jeder  Europäer  trank  schleunigst  die  zur  Feier  des  stets  erwarteten
  Friedensschlusses  aufgehobene  letzte  Flasche  europäischen
Akohols  aus.  „Es  ist  besser“,  hatte  mein  weiser  alter  Freund
vom  Tanganjika,  der  Bierkastenaraber,  einmal  gemeint,  „es  ist
besser,  du  weihst  heute  die  letzte  Ziege  deinem  eigenen  Magen  als
morgen  einem  fremden  Leoparden.“

In  einer  Nacht  entstand  eine  furchtbare  Hanik.  „Alarm!“  Ich
sprang  aus  meiner  Sundehütte  und  rieb  mir  die  Augen.  Ueberall
Bewegung.  Es  hörte  sich  an,  als  wenn  viele  Menschen  durch  den
Busch  liefen.  Das  laute  Schreien  der  beunruhigten  Nachtaffen  in
den  hohen  Zaumkronen  über  uns  berührte  äußerst  unangenehm;
es  hallte  wider  wie  in  einem  gewaltigen  Dom,  während  wir  alle
mäucchenstill  lauschten.

Feuer  flackern  hüben  und  drüben  des  schmalen  Flußbetts  auf.
Bops  und  Askari  sieht  man  vorbeihuschen.  „Sören  Sie's  Sie
kommen.“  Gerüchte  schwirren  umher:  feindliche  Kavallerie  rücke
im  tiefen,  trockenen  Flußbett  heran.  Das  Uferlaub  raschelt  gespenstisch.
  Ein  tannenschlanker,  schwerer  Baum  kracht  plöglich  mit
furchtbarem  Brechen  nieder  und  wirft  seine  Rrone  auf  das  gegenüberliegende
  Ufer.  Rein  Schuß  fällt.  Um  so  größer  aber  wird  die
Unruhe.  Mein  Zop  wagt,  mir  nur  leise  zuzuflüstern.  Ein  nervöser
Betätigungsdrang  treibt  sie  alle  umher.  „Seid  ihr  verrückt  geworden
  Was  ist  denn  los?  Ihr  verfluchten  Schweine,  macht,  daß