Der Kampf um den Sudelkopf 87
bedecken Sättel und Gipfel. Dazwischen sind verlorene Talkessel eingesenkt,
springen und ruhen einsame Gewässer, stürzen Geröllhalden ab, ragen die
NRuinen alter Schlösser, liegen weithin zerstreut Dörfer, Gehöfte, Sägmühlen
und Melkereien, die das romanctische Gebirge mit fleißigem Leben
erfüllen. So beschaffen war das vielgipflige Vogesenland, in dem lleine
Verbände — auf deutscher Seite nur wenige Divisionen zweiten Aufgebots,
auf französischer auserwählte Gebirgsbrigaden — eine große Aufgabe
zu erfüllen hatten.
Am Sndelkopf war es schon im Januar zu scharfen Zusammenstößen gekommen.
Schwäbische Landwehr saß auf dem langgestreckten Sudelgrak,
der sich aus dem Rimbachtälchen zum Sudelkopf hinaufzieht, und hatte sich
des Sattels und der Melkerei Sudel bemächtigt. Die Frangosen hielten die
West. und Südhänge des Sudelkopfes besetzt, sperrten die Zugänge von
Kohlschlag und Goldbach, wo ihre schwere Artillerie skand, und hüteten
die Wege, die über die Sättel des Molkenrains ins Thurtal führen. Als
es den Schwaben geglückt war, sich von der Ferme Sudel allmählich auf den
Sudelkopf vorzuschieben, schien die Artillerieskellung der Franzosen bei
Kohlschlag und an der Herrenfluh bedroht. Beunruhigt warfen die Franzosen
PVerstärkungen nach Goldbach und griffen den Sudelkopf und die
Sattelstellung an. Ihre Feldartillerie erklomm den Berg und richtete sich
am Südhang ein, um dem verstärkten 24. Alpenjägerbataillon den Weg zu
bahnen, das neben Linieninfanterie zum Sturm auf den Sudel befohlen war.
Die Jäger waren erst vor wenigen Tagen von Borwigny zurückgekehrt, wo
sie im Dezember am Lorektoberg eingeseht worden waren. Am 11. Februar
griffen sie die deutschen Stellungen an der Nordostflanke des Sudelkopfes
an. Der Schnee reichte den Stürmern bis zur Hüfee, die Kuppe war vereist.
In den deutschen Gräben lagen zwei schwache Bataillone des würt.
lembergischen Landwehrregiments 123, die schwer unter dem Fernfeuer
der Kohlschlager Haubigen und dem Nahfeuer der Feld- und Gebirgskanonen
gelitten hatten. Nebelwolken hingen um die Berge, hoher Schnee
lastete auf den Wäldern und hatte die Talwege verschüttet. Der Angreifer
benutzte das zerklüstete Gelände mit großem Geschick, bahnte sich
Schneegassen, unterlief die Maschinengewehre der Berteidiger und drang
nach heftigem Kampf in die erste Grabenlinie ein. Forkgerissen vom
Erfolg, gingen die Alpenjäger sofort gegen die Hauptskellung an, die
auf der Nordostseite der Kuppe errichtet war. Hier brach das Feuer,
das aus den deutschen Flankenanlagen aufsprühte und die Jäger vernichtend
von der Seite faßte, den verwegenen Angriff. Das weiße
Feld bedeckte sich mit Gefallenen, und in der Abenddämmerung wichen
die Franzosen, um die Hälfte geschwächt, gegen den Gipfel zurück. Ein
Rebenangriff auf die Stellungen der Schwaben südlich der Ruine Hartfelsenschloß
schlug völlig fehl.