Full text : Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

1187  Gipser  —  Gitterthor.

gypsern  vor  Immermann  Münchh.  2,  54.—  Gipser,  m.
Handwerker  der  aus  Gips  formt.  —  giren,  f.  gären.

Girren,  gurgelnd  oder  knarrend  tönen;  Bildung  an
den  Lant  grr  oder  girr  anlehnend,  in  der  älteren  Spr.
in  verschiedener  Form,  als  gerren,  girren,  garren,  gurren,
auch  als  kirren  (s.  d.)  erscheinend;  allgemein:  girren,
ein  getössz  machen,  rauschen,  krachen  Henisch;  mit
den  hönden  girren,  digien  conerepore,  alle  karren
girren  gern  ebd.;  die  tur  girret,  die  räder  girren,
ein  ungeschmierter  karn  girret  Stieler;  girren  und
brechen  der  äsgte  Goethe  Faust  1;  vom  Liebes=  und
Klagelaut  der  Vögel:  in  die  saiten  des  flugels  wollt  ich
(als  Kanarienvogel)  girren  Hölt  y  83;  besonders  der
Taube:  girret  vie  eine  taube  Jef.  38,  11;  girrende
taube  Rückert  Liebesfr.  4,  47;  was  mein  taubenpanar
mit  seinem  sanften  girren  sagte  Schiller  4,  21;  übertragen
  auf  Menschen:  diese  weichheit,  wic  zärtlich  sie
für  koketten  girrct  Näub.  1,  1;  cin  girrender  Seladon
3,  1;  wer  noch  von  liebe  girrt  Platen  Gas.  103;  zu
buhlerischem  girren  Uhland  76;  dasselbe  unschuldig
trillernde  und  girrende  mädchenlachen  Heyfe  5,  308;
trans.:  wildtauben  girren  ihr  sterbegebet  Rosegger
Waldschulm.  59;  hand  in  hand  wollen  wir..  unere
wonne  girren  Heinse  Ardingh.  1,  314.

Gischen,  aufbrausen,  schäumen;  weitergebildet  zu  ahd.
jesan,  gesan,  mhd.  jesen,  unferem  gären  (s.  d.),  ahd.  als
giscan,  giscen  vorauszusetzen  (früh=  mhd.  ergischen  aufschäumen
  belegt  das  mhd.  Wörterbuch  1,  536°),  später
als  geschen:  daz  ez  geschende  werde  Haupts  Zeitschr.
5,  13,  und  als  gäschen  (Adelung)  erscheinend;  sputmare
  gischen  Dief.;  das  bier  gischet  im  geringsten
nicht,  das  har  gischet  von  der  seife,  das  maul  giecbet
ihm  vor  zorn  Stieler;  wie  sich  feuer  gegen  wasser
im  kampfe  wehrt  und  gischend  seinen  feind  zu  tilgen
sucht  Goethe  Inhig.  5,  3;  rüder  gischten  (bei  einem
Feuerwerke)  Wahlverw.  1,  15.  —  Gischt,  w.  brausender
Schaum;  mit  gischen,  wiewohl  Einer  Abstammung,  doch
nicht  unmittelbar  zusammenhängend,  sondern  zunächst
zu  altem  jesan,  gesan  tretend,  mhd.  jest  und  gest;
gest,  gist  Henisch;  mit  Verbreiterung  des  s  vor  dem
ableitenden  t  gescht  #ma  Dief.,  gäscht  Frisch,
gescht,  jescht  neben  güst  Stieler,  jesch  und  jescht
Steinbach;  die  Form  gischt  ist  in  der  Schriftspr.  jung,
erst  von  Adelung  neben  gascht  gewährt;  bis  zum
himmel  spritzet  der  dampfende  gischt  Schiller  Taucher;
gischt  unten  im  kessel  Goethe  43,  152;  in  die  flun
vom  weiszen  gischt  umringt  Keller  Werke  10,  60;
schäumende  Flüssigkeit:  spendeten  rings  umber  des
reichen,  ambroslschen  gischtes  Goethe  Achilleis  1.  —
gischten,  Gischt  machen,  mhd.  jesten,  gisten:  spi#mare
gesten,  gistin  Die  f.;  felsschluchten  mit  ihren  gischtenden
  wasserfüllen  Rosegger  Waldheim.  2,  238.

Gitter,  n.  Einschließung  aus  Stäben;  jüner  zu
gatter  (f.  d.)  in  nächster  Beziehung  stehende  Bildung,
wohl  aus  der  mhd.  Nebensorm  geter  durch  einen  mundartlich
  nicht  ungewöhnlichen  Ubergang  des  e  in  i  entsprungen;
  neben  gitter  in  der  älteren  Spr.  auch  das
collectiv  gebildete  gegitter  (Spr.  Sal.  7,  6):  cancellaxe,
concellus  getter,  gegetter,  gitter,  kegitter  Dief.;  ein
ehern  gitter  vie  ein  netz  (um  den  Altar)  2.  Mof.
27,  4;  sihet  durchs  fenster  und  gucket  durchs  gitter
Hohel.  2,  9;  endlich  entdeck  ich  sie  durch  ein  verborgenes
  gitter  im  palast  Schiller  Räub.  3,  2;  steig
herauf  ans  gitter  4,  5;  manch  zierlich  gitter  konnt
ich  gebmieden  Keller  Werke  9,  258;  fenster-,  thür-,
schrank  -,  draht-,  eisen  ,  holzgitter;  frei:  der  zweige
laubigtes  gitter  Schiller  Spaz.  26.  —  Zusammensetzungen:
  Gitterfenster,  n.  Feuster  mit  einem  Gitter

avor.  —  gitterförmig,  in  Form  eines  Gitters.  —
Gitterhelm,  m.  Helm  mit  gitterförmigem  Visir:  schlägt
den  gitterhelm  zuruck  Heyse  3,  103.  —  Gltterthor,  n.
Thor  mit  einem  Gitter  verschlossen:  (er)  öffnet  das  gitter-Gitterthür

  —  glänzen.  1188

tbor  Schiller  Ränb.  4,  5.  —  Gitterthür,  s.  Thür  mit
einem  Gitter  verschlossen.  —  Gitterwerk,  n.  Werk  aus
einem  Gitter  bestehend:  als  ich  uber  das  gitterwerk
kletterte  Eichendorff  Taugen.  89  (vorher:  kletterte
..  über  das  gitterthor).  —  Gitterzaun,  m.  durch  ein
Gitter  gebildeter  Zaun:  nahe  am  gitterzaun  Freytag
Handschr.  1,  35.

Glanz,  m.  von  einem  Körper  ausstrahlendes  blankes
Licht;  ahd.  als  Adi.  glanz  mit  dem  Fem.  glanzk;  mhd.
glanz  als  Adj.,  wie  als  Masc.;  das  Adj.  ist  uns  verschwunden,
  das  Masc.  geblieben.  Nächste  Verwandte
sind  mhd.  glander  glänzend  und  Glanz,  glanst  Glanz,
glanster  Funke,  und  im  Ablaute  glinzen  glänzen,  glinster
und  glins  Glanz,  glinsen  und  glimsen  glühen,  welche
letztere  Form  wieder  auf  glimmen  (s.  d.)  und  mhd.  glim
Funke  weist,  dem  die  ganze  Sippe  wahrscheinlich  nahe
steht.  %endoör  glancz,  niederd.  glans  Dief.;  im  eigentl.
Sinne:  glanz  der  sonne  (Weish.  Sal.  2,  4),  des  mondes
(Jes.  60,  19),  himmels  (Dan.  12,  3),  der  sterne,  des
metalls,  der  edelsteine;  das  fewr  gab  einen  glanz  von
sich  Hef.  1,  13  ward-  .  der  vorbof  vol  glanzes  von
der  herrligkeit  des  herrn  10,  4;  heller,  leuchtender,
matter  glanz;  glanz  baben,  verlieren;  einen  glanz,
stralen  von  sich  geben  Henisch;  einem  körper  einen
glanz  geben  Adelung;  das  holz  bat  von  natur  keinen.
glanz  ebd.;  du  schöne  sommernacht,  dein  heitrer  glanz
ist  still  verglommen  Keller  Werke  9,  266;  dazu  in  der
älteren  Spr.  ein  Plur.  gläünze  —  Glanzblicke,  Strahlen:
giengen  von  jm  aus,  wie  glenze  von  der  sonnen  in  den
wolken  also  giengen  diese  glenze  nicht  vom  angesicht.
des  herrn  Luther  3,  282°  (vgl.  dazu  Habacuc  4,  4,  wo
der  Plur.  glenzen  von  einem  Fem.  glenze  steht);  —  in
übertragener  Anwendung:  glanz  der  tugeod  Steinbach;
  den  weiten  platz,  auf  dem  in  ihrem  glanze  gewandte
  tapferkeit  sich  zeigen  sollte  Goethe  Tasso  2,1;
der  söhne  glanz  Schiller  Br.  v.  Mess.  298;  für  eiteln
glanz  und  flitterschein  Tell  2,  1;  wenn  dich  der  glanz
der  königlichen  reichsversammlung  schreckt  Demetr.
1,  34;  in  gewöhnlicher  Rede  sehr  oft  ein  examen  mit
glanz  besteben,  sich  aus  einer  sacbe  mit  glanz  ziehen,
eich  in  seinem  glanze  zeigen,  u.  ähnl.;  —  bergmännifch
Flanz,  glänzende  Erzart,  blei-,  kupfer-,  älber-,  spiesz
glanz;  bei  Malern  glanz,  streuglanz,  glasiger,  feingestoßener
  Körper,  zum  Aufstrenen  auf  lackierte  Sachen
und  Streutapeten  gebraucht  (Jacobsson).  —  Zusammensetzungen:
  Glanzbürste,  L.  Bürste  um  Leder  und
Seidenhüten  Glanz  zu  geben.  —  Glanzaarke,  f.  Farbe
die  auch  Glanz  gibt.  —  Glanzleinwand,  k.  Leinwand
die  glänzt.  —  Glanzleistung,  f.  glänzende  Leistung.  —
glauzlos,  ohne  Glanz:  glanzloser  stein,  einfaches  und
Blanzloses  fest  Campe;  mit  glanzlosen  blicken  Wildeubruch
  Nov.  145.  —  Glanzpappe,  k.  Pappe  mit
glänzendem  Stoff  überzogen.  —  Glanztaffet,  m.  Taffet
der  glänzt.  —  glanzvoll,  voll  Glanzes:  eine  götterhalle,
  glanzvoller  als  der  königliche  bof  von  England
Schiller  M.  Stuart  1,  6;  glanzvolle  thaten.  —  Glanzweg,
  m.  glänzender  Weg:  meteor,  weit  durch  den  himmel
einen  glanzweg  ziehend  Schiller  Wallenst.  Tod  4,  1.

Glänzen,  Glanz  von  sich  geben,  mhd.  gleuzen;  im
älteren  Nhd.  auch  mit  den  Nebensormen  glanzen  und
glänzern  Henisch;  intranf.  in  eigentl.  Sinne:  wuste
nicht  das  die  baut  seines  angesichts  glenzet  2.  Mos.
34,  29;  und  glenzet  beide  spies  und  lanzen  Hiob  39,  23;
fewr  das  allenthalben  umbher  glenzet  Hef.  1,  4;  sein
kleid  ward  weis  und  glenzet  Luc.  9,  29;  ein  glenzend
liecht  Hiob  41,  9  (andere  Lesart  glenzet  wie  ein  liecht);
es  ist  nicht  alles  gold  was  glünzt  Stieler;  sternhell
glänzet  die  nacht  Goethe  Eleg.  1,7;  eine  schöne  sonne,
die  mir  in  die  augen  mächtig  glänzte  Amor  als  Landschastsmahler;
  glänzende  stirn  und  augen  und  wangen
Grillparzer  2,  18;  erzgegossen  glanzt  das  wappen
Keller  Werte  10,  64;  übertragen:  durch  schönheit,