Full text : Quellen und Studien zur Verfassungsgeschichte des Deutschen Reiches in Mittelalter und Neuzeit. Traktat über den Reichstag im 16. Jahrhundert. (1)

54  Rauch,  Traktat  über  den  Reichstag.  [I,  1.

Demnach  uff  Ihr  May.  Außschreiben  die  Ständ  in  guter
Anzahl  erschienen,  theten  J.  May.  sich  freundlich,  gnediglichen
und  gnedigst  bedanken,  hetten  daruff,  was  Sie  uff  solchen  Tag
zu  handlen  vonnöhten  geacht  zu  proponiren,  in  Schrifften  verfassen
  lassen:  das  solte  den  Ständen  fürgelesen  werden,  und
begehrten  J.  Map.  solches  abzuhören  und  daruff  sich  Ihrem
Dertrawen  nach  der  Gebür  zu  erzeigen.

Also  verliest  Ihr  Majestatt  Secretarius  oder  ein  ander,
dem  Ihr  Wap.  solches  befelen,  die  Droposition  offentlich,  und
pflegt  inmitten  deß  Sals  oder  Rahtstuben  ein  Tisch  zu  stehen,  0
daran  der  Churfürstl.  Mapntzischer  Tantzler  sambt  Ir  Churfl.
Gnaden  Secretarien  einer,  so  deß  Heiligen  Reichs  Hrotocoll
haltet,  sitzen  und  die  proponirte  Duncten  sambt  andern  Dingen
auffzeichnen  sollen.  Tach  Verlesung  der  Droposition  pflegt  die
LKev.  Map.  selbst  die  Stände  zu  vermahnen,  solche  deß  heil.  u
Reichs  Anligen  und  proponirte  Articul  mit  Fleiß  zu  erwegen
und  zu  fürderlicher  Berahtschlagung  zu  ziehen  und  J.  May.  uff
einen  jeden  insonderheit  und  was  darin  zu  thun,  so  dem  hHeil.
Reich  und  dessen  angehörigen  Gliedern  am  allernützlichsten  fein
möchte,  ihr  rahtsambs  Guktbeduncken  zu  eröffnen.  v

Darauff  tretten  die  persönlich  anwesende  Churfürsten  und
der  Abwesenden  Rähte,  deßgleichen  auch  die  auß  dem  Fürsten—
Raht,  also  auch  der  Frey-  und  Reichs-Stätt  Gesandten,  ein
jeder  an  seinen  besondern  Ort  oder  Raht  zusammen,  unterreden
sich,  was  Ihr  May.  zu  antworten.  Und  wann  ein  jeder  Raht  *
sich  seines  Voti  verglichen,  so  referirt  erstlich  der  Mayntzische
Cantzler  in  Beysein  eines  Pfaltzgrävischen  Gesandten  dem  Fürstens

  solches]  fehlt  A.  10  ein  —  daran]  zu  geschehen,  da  dan  A.
1  vandern  bingen]  den  geenwtigen.  ugurfüren  und  Fürsten

16  Anligen]  anligende  4.  ufl  von  A.  18  inderhe
  A  ůe  hinzus  sein  —  en  Ma  vanß  em  Fürsten-Raht.
Fürsten  A.  24  besondern]  nur  a.  328  wann]  4  fügt  Für  die  alle.

dieser  Stellung  1567  zu  Regensburg,  wo  er  wieder  als  Commissar  abgeordnet
  war.  S.  W.  Goetz,  Beiträge  zur  Geschichte  Berzog  Albrecht  V.,
München  1808,  Nr.  323,  S.  384  f.  1570  zu  Speper  sprach  namens  des
HKaisers  der  Zischof  der  Reichstagsstadt,  Marquard  (s.  Häberlin  a.  a.  G.
VIII,  S.  187)  und  1576  zu  Regensburg  HPfalzgraf  #udwig,  da  herzog
Wilhelm  von  Bapern,  der  ursprünglich  in  Aussicht  genommen,  nicht  anwesend
  war.  S.  Moritz,  Die  Wahl  Rudolfs  II.,  der  Reichstag  zu  Regensburg
  (1576)  und  die  Freistellungsbewegung,  Marburg  1805,  S.  280.