Metadata : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1867. (58)

184  Buch  II.  Kap.  3.

Muster  einer  Edeldame  von  damals  gerühmt,  einen  feierlichen
  Minnehof,  welcher  die  .aufgeworfene  Frage,  „si
l'amour  était  possible  dans  le  mariage?“  in  Form
eines  förmlichen  Urtheilsspruches  (arröt  d'amour)  mit
Non!  beantwortete.  Kein  Wunder,  daß  eine  so  frivole
Sophistik  in  der  Praxis  nach  der  einen  Seite  hin  zur  Verrücktheit,
  nach  der  andern  hin  zu  grober  Zuchtlosigkeit
ausschlug.  Beider  Sorten  von  Romantik  sind  die  Contes
und  Fabliaux  der  mittelalterlichen  Dichter  Frankreichs
voll.  Ebenso  die  Lebensbeschreibungen  der  Troubadours.
So  steckte  sich  einer  der  bekanntesten  derselben,  Peire  Vidal
(1175—1215),  seiner  Geliebten  zu  Gefallen,  welche  Loba.
(Wölfin)  hieß,  in  ein  Wolfsfell  und  kroch  heulend  auf
allen  Vieren  in  den  Bergen  umher,  bis  ihn  die  Schäferbunde
  übel  zurichteten.  Die  französischen  Ritterfeste
liefen  häufig  in  Orgien  aus,  wo  sich  unter  dem  Schutze
dermodischen  Gesichtsmasken  Mädchen  und  Frauen  schamlos
  preisgaben  383).  Die  Romanliteratur  ist  zu  allen

38)  In  der  Histoire  de  Saint-Denys,  pag.  170  sed.  gibt  der
Mönch  von  Saint-Denys,  welchen  selbst  ein  für  die  Ritterzeit  so
eingenommener  Autor,  wie  Hr.  De  la  Curne  de  Sainte-Pelaye  ist,
als  einen  durchaus  glaubwürdigen  Zeugen  gelten  läßt  (vgl.  „Das
Ritterwesen  des  Mittelalters“  von  De  la  Curne  de  S.  P.,  deutsch
mit  Anmerkungen  und  Zusätzen  von  Klüber,  II,  268),  die  Beschreibung
  eines  1389  in  der  genannten  Abtei  durch  den  König  von
Frankreich  veranstalteten  Turniers  und  Banketts.  Am  Schlusse
sagt  er:  „In  der  Nacht  verlarvte  sich  Alles  und  machte  alle  Arten
von  Gaukeleien,  die  sich  besser  für  Possenreißer  als  für  so  angesehene
Personen  schicken.  Dieser  schädliche  Brauch,  aus  Nacht  Tag  zu