Full text : Wegweiser für Ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege.

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keine  Spinnstube  werden.  Die  Frauen,  die  noch  spinnen  kennten,  hatien
es  jahrelang  nicht  Krüt  und  waren  der  Meinung,  so  etwas  Altmodisches
zieme  sich  nicht.  Als  aber  aus  Schulhaus  und  Pfarrhaus  die  Spinnrädec

*  die  schönen,  alten,  ache  verror.  !  Erkdenra  und  nun  2  dee.
Räder  lustig  und  drehten  um  die  schnurcende  Spindel  den  Faden.
bald  das  Spinnen  beginnt,  geht  ein  sonderbar  traulicher  Hauch  du  1ch
die  Versammlung,  als  ob  es  gleich  viel  wärmer  wöärc,  viel  heimatlicher
und  freundlicher.  Da  erzählt  und  plaudert  und  singt  es  sich  leicht,  wähdie
  Spinnerinnen  fleißig  treten  und  die  Fäden  durch  die  Finger
gihien  lassen,  bis  der  Rocken  diunn  und  die  Rolle  auf  der  Spindel
dicker  w

Hodd  Abende  lassen  sich  gar  schön  ausgestalten.  Wir  hören  zuerst
ein  Stück  aus  der  Heiligen  Schrift,  am  liebsten  als  Beleuchtung  von
Frauenpflicht  und  Frauenwürde.  Wie  packt  da  der  Lobgesang  auf  das
tugendsame  Weib,  Sprüche  Salomonis  311

Nach  der  biblischen  Einleitung  folgen  den  Abend  über  Vorträge.
Erzählungen,  Vorlesungen,  Besprechungen,  wie  es  kommt,  möglichst  vielseitig
  den  Winter  hindurch,  aber  einheitlich  an  jedem  Aberde.  Nicht  eine
unnatürliche  Schwermut  oder  saure  Gesichter  wollen  wir  haben,  sondern
eime  frische,  muntere  Freudigkeit,  wie  sit  ris  it  Kein  Zwang
herrscht.  Wer  will,  kann  fragen  und  sprechen.  Da  sollen  die  Fraucn
hören,  was  Ee  ür  Gemüt  und  Pflicht  —  und  sollen  lernen  aufzuatmen.
  lb  wird  auch  eifri  vis  gesungen,  um  die  Lust  am  Liede
zu  pflegen.  Dl  lauschen  sie  einem  guten  Buche,  einer  Erzählung,
wie  es  ihren  Vorfahren  in  alter  Zeit  ergangen,  oder  wie  dies  und  jenes
entstanden  ist.  Damit  ergibt  sich  die  Aufklärung  über  die  Schönheit
ihrer  Heimat  und  ihres  Standes.  Wer  sagt  es  denn  den  Leuten,  in
welchen  Schkönheiten  sie  leben,  wer  lebn  sie,  sinnend  durch  die  Felder
zu  schreiten  und  dort  Gottes  Predigt  in  tausend  Gleichnissen  zu  vernehmen,
  wer  F  nt  lie  die  Voreltern  und  was  von  diesen  stammt,  zu
ehren  u  lte

So  9  viches  gibt  es,  wovon  die  Frauen  nichts  wissen,  wovon
sic  aber  gern  hören.  In  der  öffentlichen  Spinnstube,  wo  reich  und  arm
durcheinander  sitzt,  Eit  Wl.  It  zur  Belehrung  von  der  Kinderkost  und
Kochkiste  bis  zum  Sargschmuck  n  zur  Grabpflege,  zur  Gewinnung  für
neue  Gedanken,  zur  Begeisterung  für  die  Frauenarbeit  auf  dem  Lande,
und  so  für  allc  die  Fragen  und  Aufgaben,  denen  sonst  die  Frauen  und
Mädchen  kühl,  ohne  Verständnis  und  ohne  Kenntnis  gegenüberstehen.
Was  sie  da  erfahren,  sprechen  sie  im  Kreise  der  häuslichen  Spinnstube
oder  Strickstube  weiter  durch,  und  so  wirkt  eine  Anregung  immer  noch  fort
und  kommt  in  immer  mehr  Häuser.

Vielleicht  erlebt  man  es  doch  noch,  daß  es  mit  der  Spinnstube
geht,  wie  mit  Dornröschen,  der  eine  Arglist  die  Spindel  verderblich
machte,  so  daß  sie  in  Schlas  sank  und  fast  vergessen  war,  bis  sie  zu
neuem  Leben  erwachte.  Es  wäre  ja  ein  großer  Teil  deutscher  Poesie
sonst  i  in  Gefahr,  unverständlich  und  verachtet  zu  werden,  wenn  das
Spinnrad  unbekannt  würde,  das  Rad,  bei  dessen  Schnurren
Gretchen  von  Fanst  träumte,  das  einst  am  Fürstenhose  und  im
Bauernhause  daheim  war  und  ernste  Gespräche,  launige  Reden,
alte  Mären  und  Sagen  begleitete.