222 Drittes Buch. An der Wende der Zeiten.
motivierte, auch während die Provinzialstände nicht tagten,
ständische Gutachten hören zu können. Derselbe sollte in Funktion
treten, wenn die Ansichten der Provinziallandtage über Gesetzentwürse
weit auseinandergingen oder bei deren Beratung in
den höheren Instanzen neue Momente hervorträten und eine
Ausgleichung wünschen ließen. Bedenklich war seine Zusammensetzung
durch die Bevorzugung des Grundbesitzes. Von 98 Mitgliedern
waren 46 Vertreter des Herren= und Ritterstandes,
32 der Städte und 20 der Landgemeinden. Ständeweise gewählt,
bedurften sie zudem der königlichen Bestätigung. So
war diese Schöpfung wenig geeignet, die Volksstimmung angesichts
des nahen Dombaufestes zu heben. Und doch schien
das ihr einziger Zweck. Denn ein sachlicher Grund für die
Berufung der „Vereinigten Ausschüsse“ auf den 18. Oktober 1842
lag nicht vor, zumal die Regierung erklärte, in den beiden
zur Beratung gestellten Fragen, einem Steuererlaß von 1 ½ Millionen
Thalern und der Uebernahme der Zinsgarantie für
geplante Eisenbahnbauten, habe sie sich bereits schlüssig gemacht.
So verlief die Session matt und unbehaglich. Man stimmte
den Vorlagen verklaufuliert zu, weil man nicht anders konnte,
wurde dabei aber das Bewußtsein nicht los, etwas zu thun,
was zu thun man eigentlich nicht berechtigt war, sondern den
Reichsständen hätte überlassen müssen, konnte jedoch unter dem
Zwange der vorgeschriebenen Geschäftsordnung das nicht zur
Sprache bringen, was alle erfüllte. Einzelne Anläufe dazu
blieben vergeblich. Alle Welt erging sich in abfälligster Kritik
über das neue zweck= und ziellose Erperiment.
Nur der König war zufrieden. Mit Worten des Dankes
entließ er am 10. November die Ausschüsse, in denen er den
bisher fehlenden Zentralpunkt geschaffen zu haben glaubte. In
dunkler Rede rühmte er ihre in dieser Art einzige Unabhängigkeit,
da sie — nach Haller — sowohl Vertreter eigener
wohlerworbener Rechte und der Rechte der sie abordnenden
Stände, als auch Ratgeber der Krone seien. Und auf diesem
Grundstein wollte er aufbauen, was er Verfassung nannte. Am
8. November legte er den Plan dazu seinen Ministern vor.
In den konstitutionellen Weg einzulenken, führte er dabei aus,